Chr. Hörstel… und dann war da noch die Generalabrechnung zum BND
Natürlich im IRIB-Interview, vor Abreise mit "Iran Shahed".
http://german.irib.ir/analysen/interviews/item/282263-interview-mit-christoph-hörstel


Chr. Hörstel Iranberichte - Fortsetzung


 

 

Chr. Hörstel: Weitere Berichte über die JEMEN-HILFE


 

Meine Flucht von “Iran Shahed” – und ein politischer Deutungsversuch

Meine Reise begann mit einem sehr spannenden Punkt – wie die meisten meiner Leser wissen: Nachdem ich am 31. Oktober 2008 mit brandfrischem Visum in Teheran abgewiesen und deportiert worden war, sollte nun ein Visum erst bei Ankunft am Flughafen erteilt werden – und das auch noch an einem Freitag (8. Mai), also: Feiertag!
Als das tatsächlich, wenn auch erst nach 11 Stunden, gelang, wusste ich, dass ich es mit mächtigen Kreisen zu tun hatte.
Wir fuhren dann am Samstag-Morgen (9. Mai) zu einer Sitzung mit dem Koordinator der Tour, einem Arzt, Dr. Ahmadi, der sich als sehr nett herausstellen sollte – den Lesern hier bekannt als Ersteller eines Handy-Videos von Bord eines gefährlichen Hilfsfluges nach Sanaa am 24. April…
30-40 Leute waren im Saal einer sehr schönen Tagungsanlage mit einem grün bewachsenen Terrassengarten. Im Sitzungssaal wurden wir gebeten, Fragen zu stellen, wenn wir welche hätten. Ich hatte eine, die mir für die mediale Durchsetzungsfähigkeit unserer Arbeit sehr wichtig war: Die Qualität unserer Internetanbindung an Bord, benötigt wurde eine erstklassige Breitbandverbindung. Also fragte ich danach. Freundlich erklärte Dr. Ahmadi, dafür sei selbstverständlich gesorgt.
Am Dienstag, 12. Mai, als wir bereits mit ca. 13 Knoten durch die Meerenge von Hormus dampften, wurde beim ersten Augenschein klar, dass die Angabe krass neben den Tatsachen lag: Die schwankende Verbindung brachte höchstens 45 kb/Sekunde, damit war Mail-Verkehr mit kleinen Fotos möglich. ich versuchte trotzdem, über Nacht die Filme unserer Abfahrt von Bandar Abbas an PressTV zur Weiterleitung zu senden.; am Mittwoch wurde mir dann mitgeteilt, PressTV habe alles gelöscht, das sei zu datenstark (500MB). Daraufhin habe ich mich sofort bei Dr. Ahmadi beschwert, der mit Bedauern erklärte, selbst falsch informiert worden zu sein; ich glaube ihm, er ist ein guter Kerl, Ärzte müssen solche Dinge nicht beherrschen.

So habe ich mir über die Tage hin beholfen, auch dann noch, als die tägliche Nutzungszeit für das Internet auf 30 Minuten beschränkt wurde. Was mich auch sehr störte war, dass wir für die Nutzung des Internets fünf Stockwerke hoch auf die Kapitänsbrücke klettern mussten, wo die ganze Sicherheitskommunikation (Piraten etc.) lief. Deshalb wurden auch manche gelegentlich von der Crew nicht ans Netz gelassen, bei mir war das zum Glück immer anders. In der Zwischenzeit habe ich das Verteidigungsprogramm der Deutsche Mitte fertiggestellt, das in Kürze den Mitgliedern und dann der Öffentlichkeit vorgelegt werden wird – und (r)evolutionär ist.

Um den 17. wurde uns mitgeteilt, wir sollten keine “provozierenden” Berichte abfassen. Caleb, Samba und ich sahen uns verständnislos an: “Was ist provozierende Berichterstattung?”, habe ich gefragt, das konnte mir auch keiner erklären. Nach einigem Nachdenken ist mir klar, dass die einzig provozierende Berichterstattung die ist, die sich nicht an die Tatsachen hält. Die ganzen Tage über wurden wir, besonders Caleb, ständig interviewt. Die Kollegen hatten eine Satellitenanlage an Bord, die allerdings nicht kardanisch aufgehängt war und deshalb schon bei geringem Seegang nicht mehr funktionierte (klar). Hierzu wird Emir fach klar, dass wir offenbar als freundlich-positive Stichwortgeber an Bord sehr gefragt waren, nicht so sehr jedoch als unabhängige Berichterstatter. Sonst hätte man uns einen eigenen Satelliten hinstellen können, damit hätten wir den westlichen Drecksladen aufgemischt, das schwöre ich.

Am Dienstag Abend (19.) erfuhren wir, dass das Internet oben nicht mehr funktioniere. Daraufhin ging ich eilends zu Dr. Ahmadi, um mich zu beschweren, er versprach Abhilfe: Mein Verbleib an Bord war sinnlos geworden, ich konnte draußen nichts mehr bewegen. Nachts schrieb ich eine höfliche Beschwerde an den Chef von IRIB, Sarafraz, in der zweimal das Wort “Sabotage” vorkam. (Bis heute keine Antwort.) Ich ging dann trotzdem ‘rauf, morgens früh (20.), außerhalb meiner regulären Zeit, wurde netterweise eingelassen und stellte bei Versand meiner Beschwerde fest: Die Verbindung war noch schwächer geworden, erreichte in den Spitzen höchstens 12 kb/s. Ich habe dann alle Regeln gebrochen, verschiedene Sachen versandt, die mir wichtig waren. Als ich abends (20.) dann noch etwas versenden wollte, wurde vor meinen Augen von einem sonst sehr hilfsbereiten PressTV-Kollegen der Internetserver abgebaut. Verständliche Begründung: Dem Kollegen von der Technik würden die Datenkosten des abgelaufenen Tages persönlich vom Lohn abgezogen. Ich habe daraufhin gebeten, das er sich bei mir meldet, damit ich den Fall der IRIB-Spitze vorlegen kann, zusammen mit einen geharnischten Protest. Der Mitarbeiter hat mich nicht mehr angesprochen, obwohl wir uns an Bord begegnete sind – der Protest wird trotzdem verfasst werden. Ich ging daraufhin sofort wieder zu Dr. Ahmadi, der sich erneut einsetzen wollte.

Zu dieser Zeit gab es an Bord erhebliche Diskussionen über die Weiterfahrt. Wir wollten unbedingt eine neutrale Inspektion der Ladung, weil dies, angesichts möglicher saudischer Blockaden, der einzige Weg schien, eine Anlieferung nach Hodeide sicherzustellen. In der Nacht auf Donnerstag (21.) drehte das Schiff dann um und fuhr zurück nach Djibouti. Dies alles erfuhr ich nur, weil ich oben auf der Brücke stets den Kompass und den sehr netten Kapitän, Massoud Ghazi Mirsaid, befragte. Plötzlich bekam ich morgens früh Anschluss an das Mobiltelefonnetz des Jemen. Ich bat meine Frau, das deutsche Auswärtige Amt und die Botschaft in Djibouti zu informieren, das ich gegen meinen Willen Bord der “Iran Shahed” festgehalten würde. Selten ist mir eine Entscheidung so schwer gefallen wie diese. Besonders ein Szenario machte mir zu schaffen: Irans Verantwortliche könnten sich einfach zur Umkehr entscheiden! Das würde weitere zehn Tage auf See bedeuten – ohne Arbeitsmöglichkeit. Inzwischen kam ich mir relativ verblödet vor: Normalerweise habe täglich ein Internet-Lesepensum von mehreren Stunden, dann gibt es blitzschnelle Entscheidungen über die Veröffentlichungen, dann kommt die übrige Arbeit. Ich war sozusagen “stillgelegt”. Und zwar schlecht informiert, herabwürdigend behandelt – und praktisch ein Gefangener fremder Entscheidungen.

Am Nachmittag (21.) gingen wir auf Reede vor Djibouti vor Anker. Binnen drei bis vier Stunden werde es ehe Genehmigung zur Einfahrt in den Hafen geben, hieß es, danach werde binnen 20 Minuten angelegt. Ich hatte meine Zweifel – bei beiden Zeitangaben. Eine Antwort von IRIB ging nicht ein, gegen 20 Uhr wurde eine weitere Frist von drei bis vier Stunden ausgelobt, was meine Zweifel verstärkte.  Sobald also mein Handy Anschluss ans Mobiltelefonnetz von Djibouti bekam, fing ich an zu telefonieren, auch mit Hilfe meiner Frau, die Hotels recherchierte etc. Kurz: Ich verdanke einem Hotelmanager, den ich nie sah – und seinem sehr tapferen Mann in Djibouti, der mich in einsamer, persönlicher Entscheidung schließlich um Mitternacht von Bord holen ließ, nach einer sehr bewegenden Handy-Dikussion von 45 Minuten, dass ich so schnell von Bord kam.

Im Hafen meldet ich mich sofort bei der Einwanderungsbehörde. Die verfügte meine sofortige Verlegung in eine Station der Hafenpolizei. Es war mir nicht möglich, das Dokument, dass die deutsche Botschaft inzwischen angefertigt hatte, irgendwem vorzulegen, weil ich weder Faxnummern noch Mail-Adressen erhielt – und ein Fahrer des Hotels Kempinksi mit fünf Exemplaren am Tor einfach abgewiesen wurde. Dies und die Einlassung des amtierenden Botschafters ließ mich zur Telefonaktion greifen. Unglaublich, wie die Leser sich eingesetzt haben, total nett, sehr anrührend, die ganze Familie ist dankbar! Geistige Kräfte soll man nie unterschätzen, ganz unabhängig von religiösen Überzeugungen.

Am Freitag wurde ich dann zweimal “verhört”, tatsächlich war das eine Aufnahme meiner Erzählungen zum ganzen Hergang, beim zweiten Mal von einem sehr interessanten und gescheiten Kerl, hochrangig offenbar, mit dem ich mich spontan anfreundete: grundlegende, gemeinsame politische Überzeugung: Die politischen Ideen der Deutschen Mitte werden weltweit Furore machen, das ist sicher… In allen Gesprächen mit djiboutischen Offiziellen habe ich mich vehement dafür eingesetzt, die “Iran Shahed” im dortigen Hafen endlich anlegen zu lassen: eine genaue Inspektion der Ladung sei eine große Chance für die ganze Hilfsaktion und die bedürftigen Jemenis.  Auch Polizei-Leutnant Abdilai, der zunächst wegen meiner Protest-Aufrufe mit einem Wutanfall in meinen Warteraum gerannt kam, war sehr schnell beschwichtigt, als er die Hintergründe hörte. Wir schieden in herzlichem Einvernehmen. Abgeholt wurde ich dem amtierenden Botschafter Sauerteig, der mir zunächst die drei Nächte bei der Polizei in Aussicht gestellt hatte – und einem weiteren Herren ohne Visitenkarte, beide machten eine sehr sympathischen Eindruck. Herr Sauerteig schlug dann vor, wir hätten vielleicht zu Anfang den Ärger mit einer Videokonferenz vermeiden können… ;-))

Hintergrund der iranischen Politik

Der Iran ist heute ein gespaltenes Land, nicht nur, was die Beurteilung des existenziellen 5+1-Komplexes angeht. Die Spaltung verläuft entlang der beiden großen politischen Linien “Reformisten” gegen “Prinzipalisten”. Die jetzige Regierung gehört eindeutig zu den ersteren. Aus meiner Sicht bedaure ich diese Lage: Das Vertragswerk liegt nicht vor, wie kann man da jetzt schon dafür oder dagegen sein? Es wird ein paar Prinzipien geben müssen, nach denen alles beurteilt werden kann, zum Beispiel: Totales Ende aller Sanktionen, Ende aller wirtschaftlichen Entwicklungsblockaden und des ganzen globalen politischen Mobbings gegen den Iran der letzten 35 Jahre. Und: Der Iran benötigt dringend Reformen – doch hoffe ich, dass die guten Prinzipien der Revolution bestärkt und nicht verwässert werden. Auch für den Iran könnte allerdings gelten, dass es nicht auf die Kopfbedeckung ankommt, sondern auf den Inhalt, nur so als Beispiel… Und: Starke Kräfte im Iran neigen eindeutig den USA und den mafiotischen Kartellen zu, hier stellt sich die Frage des Hochverrats ebenso wie bei uns, das ist sehr gefährlich!

Was da an Bord der “Iran Shahed” mit uns geschehen ist, spiegelt den inneriranischen Streit wieder: Die Regierungskräfte wollten offenbar nicht, dass in die entscheidende letzte Phase der Verhandlungen ständig diese harsche Kritik an USA, Saudi-Arabien etc. hineinkracht. Das erscheint sehr verständlich, wenn auch politisch falsch: Wer sich schon während Verhandlungen von höchst notwendigen humanitären Missionen abbringen lässt, währen die andere Seite einen ganz Krieg vom Zaun bricht: Jemen!, – oder die Lage anheizt: Irak!, Syrien!, Libanon! – ist politisch ziemlich erledigt; auch in den Verhandlungen! Und: Tehran ließ ja insgesamt die notwendige politische Unterstützung vermissen, da MUSSTEN wir uns auch medial wehren! Klar lag das auch im Kalkül der prinzipalistischen Opposition. Insgesamt wurde hier ein inneriranischer Streit auf dem Rücken ausländischer Gäste ausgetragen. Den iranischen Roten Halbmond konnte Teheran offenbar nicht von der Idee des Hilfstransports und der ganzen Aktion abbringen – aber man konnte uns die medialen Flügel stutzen und Schwierigkeiten machen. Im Roten Halbmond und drumherum  sind offenbar die Prinzipalisten stärker, das beantwortet möglicherweise manche Frage zum unrunden Ablauf. Denn zum Beispiel eine Inspektion der Ladung hätte man schon im Iran beim Einladen durchführen können, das müsste selbstverständlich sehr gut kommuniziert und politisch durchgesetzt werden. Kommunikation bleibt jedoch weiterhin eine eklatante Schwäche im gesamten politischenSpektrum des Iran, nicht nur ich habe mir in den letzten zehn Jahren daran die Zähne ausgebissen.

Fazit: Stärker als jede außenpolitische “Feindeinwirkung” ist der Schaden, den der Iran sich selbst zufügen kann – nahezu auf jedem Gebiet.

http://christoph-hörstel.de/?p=739

 

Hörstel sitzt bei der Polizei in Djibouti fest!

22. Mai 2015
Weil die deutsche Botschaft in dem kleinen Land gegenüber von Jemen praktisch unbesetzt ist, weil das vorhandene Personal unter dem Flüchtlingsproblem ächzt, dass die blutgierige Massakerpolitik der US-gestützten Saudis im Jemen angerichtet hat - deswegen sitze ich jetzt bei der Hafenpolizei fest.
Es fehlt ein kleines Dokument: ein Brief der Botschaft mit Stempel gemeinsam geschrieben mit dem Djibouti'schen Außenministeriums.
Problem: Die Torwachen wollen es nicht weiterleiten, wenn es angeliefert wird, die Faxnummern der Chefs sind nicht bekannt - und dürfen oder können nicht erfragt werden. Diese Chefs heißen: Madame Hazna, Schichtleiterin beim Einwanderungsbüro der Hafenbehörde- und Lieutenant Abdilai bei der Hafenpolizei.
Inzwischen hat die Botschaft hier festgestellt, dass ich nicht zu "den Guten" gehöre ("ich habe Ihre Facebook-Seite gesehen"), also lautet die Drohung: drei Tage festhängen.
Freiheitsberaubung aus politischen Gründen.
Protest: Botschaft Djibouti in Berlin Tel. 030 26390157(!!) oder Auswärtiges Amt Lagezentrum 030 18172911.
So früh wie möglich!

 

Eine kurze Wasserstandsmeldung: Es sieht so aus als käme er frei! Er wird den Flieger von heute wahrscheinlich verpassen, aber dann hoffentlich morgen. Ihr Alle seid unglaublich! 1000 Dank, es nützt sehr!!

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Christoph Hörstel


Deutsche Botschaft in Djibouti bewegt sich!
Sobald der amtierende Vertreter hier ist, posten wir, dass die Telefonaktion eingestellt wird, jetzt noch nicht.
Hintergrund: AA-Mitarbeiter werden oft und spürbar ausgenutzt, sind normalerweise sehr kooperativ.
Die Aktion wurde wegen der hassvollen Bemerkung gegen den Iran gestartet, nicht wegen der Nacht in einer dreckigen Polizeistation.
Vielen, herzlichen Dank an alle, die mitgemacht haben, wir waren erfolgreich!

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ALLE Telefonaktionen einstellen!
Die Botschaft von Djibouti in Berlin war am Apparat, Exzellenz höchstselbst.
Djiboutis Behörden haben sich sehr freundlich verhalten.
Es war ein Fehler am Anfang, der alles ins Rollen brachte, zusätzlich zum Fehlverhalten deutscherseits, wegen Iran.
Übrigens: Wer hier beleidigend geworden ist, hat eher geschadet, ich habe mich dafür entschuldigt.
Der Botschafter Djiboutis war mit Recht etwas aufgebracht.
Das sind reizende Menschen hier, denen harte Töne nicht liegen.
Es wird am Abend einen ausführlichen Bericht geben.
Nochmals Dank - jetzt wollen wir den positiven Anläufen Raum geben - und NICHT MEHR ANRUFEN, nirgendwo!
Herzliche Grüße, CRH

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EILMELDUNG: “Iran Shahed” zur Überprüfung nach Djibouti?


Mai 20, 2015

In diesen Stunden koordiniert der iranische Rote Halbmond mit dem IKRK
in Genf und Behörden in Djibouti einen Aufenthalt im Hafen von
Djibouti, um eine Überprüfung des Schiffes zu ermöglichen.
Zeitrahmen:
– 5-6 Stunden Fahrt bis Djibouti ab Genehmigung und Zustimmung
– etwa sechs Stunden für die Überprüfung des Schiffes
– weniger als ein Tag Fahrzeit Djibouti-Hodeide

Die Friedensaktivisten an Bord der “Iran Shahed”:
– begrüßen diese Entwicklung außerordentlich und erblicken darin auch
einen Erfolg ihrer Arbeit
– rufen alle Aktivisten weltweit auf, mitzuhelfen, die USA zu bewegen,
ihr Möglichstes zu tun, die Lösung durchzusetzen, die in hohem Maße
geeignet ist, weitere Spannungen zwischen dem Königreich Saudi-Arabien
und der Islamischen Republik Iran abbauen zu helfen – sehr zum Vorteil
der leidgeprüften jemenitischen Zivilisten, die in den letzten Wochen
zahlreiche Bombenmassaker durch die US-gestützte saudische Luftwaffe
erleiden mussten.

Christoph Hörstel
“Iran Shahed”

http://christoph-hörstel.de/?p=737

 

Auf dem Weg zum Showdown – werden die Saudis die “Iran Shahed” blockieren?

18. Mai 2015
Nach „unbestätigten Berichten“, zu deutsch: Gerüchten, die nicht besonders glaubwürdig erscheinen, dass die Saudis UNICEF oder UN-Hilfsschiffe für Jemen bombardiert hätten, wird heute über ein UNICEF-Schiff gesprochen, das die Saudis daran gehindert haben, den Hafen Hodeide anzulaufen.
Das würde allerdings restlos klarstellen, dass es den Saudis eben nicht darum geht, mögliche, wahrscheinliche oder tatsächliche Waffenlieferungen zu verhindern, sondern jede mögliche Hilfe für die gepeinigten Jemenis zu stoppen; genau die Jemenis, die Riad so fleißig bemüht ist, zahlenmäßig zu verringern – oder zumindest in den Gehorsam zu bomben – ganz im Stil ihrer zionistisch-amerikanischen Herren. Dieser Ausdruck geht mir etwas schwer von der Feder – aber die nicht nur von mir mehrfach beklagte US-Politik, möglichst dafür zu sorgen, dass Muslime sich gegenseitig in möglichst großen Zahlen umbringen, liegt derart wenig im ureigensten Interesse des amerikanischen Volkes, dass als Motivation für diese fürchterlichen Serienverbrechen nur ein wildgewordener Zionismus in Frage kommt.
Das wiederum wirf einen weiteren Gesichtspunkt auf: Wie die saudische Politik den Iran voranbringt – und zwar derart erfolgreich, dass es nicht unangemessen erscheint, Teheran, das außenpolitisch wahrlich kaum eines Ratschlags bedarf, einen herzlichen Dankesbrief an Riad anzuempfehlen. Denn die derzeitige saudische Politik treibt tatsächlich die arabischen Jemenis in die Arme der persischen Iraner, kostenlos und mit sofortiger Wirkung – wo Teheran sonst viel Zeit und Geld hätte investieren müssen.
Noch schlimmer für die Saudis: In den nächsten 50 Jahren wird auf diesem blutigen Boden keine gute Beziehung zum südlichen Nachbarn gedeihen können. Wenn man nun bedenkt, das sich dies mit Libyen, Syrien, Libanon und Bahrain kaum anders verhält, dann wächst die Gewissheit, dass es wenig Sinn macht, zum Wohlgefallen einer einzelnen sehr weit entfernten nicht-islamischen und anti-islamischen, prozionistischen Hypermacht eine wachsende Zahl seiner Nachbarn zu vergraulen.
Zählt man die Grenzscharmützel mit Katar, vernachlässigte Palästinenser und entfremdete Kuwaitis hinzu, die ja im Kampf mit Saddam als Spielball dienen mussten, dann erscheint die wachsende Liste nicht eben hilfreich bei dem Versuch, der saudischen Herrschaft eine glückliche Zukunft zu verheißen.
Sollte der iranischen Außenpolitik angesichts dieser Tatsachen eine Strategie fehlen, dann könnte es diese sein: Einfach nur dasitzen und wenig tun, außer, die zahlenmäßig anwachsenden Opfer saudischer Korruption freundlich zu behandeln.
Das Schicksal der Hilfsmission der „Iran Shahed“ mag ungewiss sein – aber dass im Staate Saudi-Arabien etwas faul ist, das ist absolut gewiss. Und wenn jüngst der Oberste Revolutionsführer im Iran, Ajatollah Ali Khamenei, bemerkte, die junge saudische Führung sei politisch unerfahren, dann macht das die Prognosen nicht erfreulicher.

 

Der Tanz beginnt – NEIN zu einer saudischen Schiffsinspektion

 

17. Mai 2015
Helfer, Journalisten und Mannschaft an Bord des Küstenfrachters „Iran Shahed“ rieben sich heute Mittag erstaunt die Augen, als ein Aufklärer unbekannter Nationalität begann, uns am Himmel zu umkreisen. Hier gibt es gemischte Gefühle über diese militärischen Aktivitäten, da die saudische Luftwaffe unseren Zielhafen Hodeida bereits am 1. Tag unserer Reise, vergangenen Dienstag, bombardiert hat. Dieses Bombardement erstaunt allerdings niemanden mehr hier an Bord, da der Koordinator dieser Seereise bereits am 24. April an Bord eines vom iranischen Roten Halbmond gecharterten Airbus 310 mitflog, der 11 Tonnen dringend benötigter medizinischer Hilfsgüter zum Flughafen der jemenitischen Hauptstadt Sanaa bringen sollte. Damals bombardierte die saudische Luftwaffe den Flughafen so lange, bis sichergestellt war, dass kein Flugzeug mehr landen konnte.
Es muss nicht besonders betont werden, dass, wer immer die heutige Aufklärungsmission gegen unser Schiff angeordnet hat, dies zweifellos auch mit weit weniger Aufsehen hätte erledigen lassen können. Dieser Autor schließt daraus, dass wir bereits mit militärischer Nötigung und Erpressung zu tun haben.
Die Verantwortlichen dieses Schiffstransports sollen entmutig werden, diese fortzusetzen. Und die Voraussage fällt leicht: Es wird mehr Bomben auf Hodeida geben, wenn wir unsere Fahrt fortsetzen. Die Frage lautet nun ganz schlicht: Wird man uns bombardieren, um uns zu stoppen – oder wird man es mit einer physischen Blockade bewenden lassen.
Schließlich sollten wir unsere Aufmerksamkeit der seltsamen Frage einer Schiffsinspektion durch die Saudis zuwenden – die USA hatten dies bereits klüglich abgelehnt. Klare Sache: Als Kriegsparteien in den Massakern gegen die jemenitische Bevölkerung, deren Opferzahlen bereits fast das Doppelte der aus dem letzten israelischen Massaker gegen den Gazastreifen betragen, erscheinen beide, USA UND Saudi-Arabien von vornherein ungeeignet für eine solche Inspektion, ebenso wie alle übrigen Länder, die an diesen widerwärtigen Brüchen der UN-Charta und des internationalen Rechts teilhaben. Inspektionen von anderer Seite hingegen, etwa von den UN oder IKRK, sind hoch willkommen an Bord, da sie zweifellos dazu beitragen werden, dass diesem Schiff freie Fahrt nach Hodeida und friedliches Entladen im Hafen zugestanden werden muss.



Christoph Hörstel - an Bord der "Iran Shahed", 17. Mai 2015, Golf von
Aden, Jemen
Die wichtigsten Informationen zum Jemen-Massaker der US-gestützten
Saudis und zur Hilfsmission des iranischen Roten Halbmonds mit dem
Küstenmotorschiff "Iran Shahed" ( = "Iranischer Augenzeuge")

https://www.youtube.com/watch?v=C5I8LNdmAwY&feature=youtu.be


Quelle: Mehrere Facebook Einträge .. übermittelt über Twitter

 

 

Chr. Hörstel: Weitere Berichte über die JEMEN-HILFE

 

14. Mai 2015

Abfahrt – gute Laune, gespannte Erwartung


Unser Lotsenboot fuhr zumeist in eineinhalb Metern Entfernung neben uns. Ruhig gleiten wir aus dem Hafen, draußen geht ein schwacher Wind, bestes Reisewetter!
Draußen wartet unsichtbar in der Dunkelheit die iranische Fregatte, die uns begleiten wird. Die Stimmung an Bord ist bestens, alle sind gespannt in froher Erwartung glücklicher jemenitischer Gesichter, wenn wir endlich ankommen.


JEMEN-HILFE: Kräftiger Wind voraus!
Werden wir in Hudaideh ausladen dürfen? Dschibouti?


Die Saudis haben angekündigt, dass sie unser Boot inspizieren wollen. Niemand kann jetzt sagen, ob die Inspektoren bewaffnet sein werden, wie genau diese Inspektion vonstatten gehen wird – und ob wir tatsächlich in Ruhe den jemenitischen Zielhafen Hudaideh anfahren dürfen. Und wenn: Sollte die saudische Waffenruhe dann enden – werden wir im Hafen bombardiert? – Oder die Transportfahrzeuge, die die dringend benötigten Lebensmittel, Decken & Zelte, medizinischen Hilfsgüter zu den Bedürftigen Zivilisten transportieren?
Inzwischen werden wir an Bord ständig zu allen möglichen Themen befragt, unser Arbeitsleben wird ebenso gefilmt wie der Verzehr einer Melone. Die Stimmung ist bestens, wie reden uns die Münder fusselig, der 26-jährige Caleb Maupin, PressTV-Reporter, der 34-jährige Kühltechniker, freier RT-Mitarbeiter und politische Berater Samba Diagne & ich.


Westliche Medien mit falschen Informationen über die Inspektion der “Iran Shahed”

Westliche Medien, die über die Angelegenheit berichten, geben die entsprechenden Äußerungen aus dem iranischen Außenministerium unvollständig wieder und behaupten man habe jegliche Inspektion der Hilfsmission abgelehnt.
Tatsache ist jedoch vielmehr, dass Teheran keineswegs grundsätzlich gegen jede Inspektion der “Iran Shahed” ist, sondern vielmehr solche Inspektionen begrüßt, sich lediglich im Ergebnis dagegen wehrt, dass ausgerechnet diejenigen Länder, die auch für die Massaker an der jemenitischen Bevölkerung verantwortlich sind und schon in der Vergangenheit Hilfslieferungen unterbunden haben, sich an solchen Inspektionen beteiligen. Bisher sind mehr als 3.000 Menschen durch die Bombenangriffe der saudischen Luftwaffe ums Leben gekommen, die Zahl der schwer- und leichte Verletzten wird auf rund 10.000 geschätzt.
Journalisten an Bord der „Iran Shahed“ weisen jeden Gedanken an eine eigene Inspektion zurück, so lange die Vereinten Nationen und andere verantwortliche Institutionen, wie zum Beispiel das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf, sich weigern, derartige Untersuchungen durchzuführen.
Das 30.000 BRT Küstenmotorschiff “Iran Shahed” (deutsch: “Iranischer Augenzeuge”) hat 2.500 Tonnen Hilfsgüter geladen, die im jemenitischen Hafen Hodeida ausgeladen werden sollen: 1200 Tonnen Reis, 700 Tonnen Mehl, 400 Tonnen Dosennahrung, 100 Tonnen Decken und Zelte sowie 60 Tonnen medizinische Hilfsgüter und 50 Tonnen Wasser.

JEMEN-Deutschland: Komplizentum bei Massakern!
Je krimineller und blutiger sich die USA aufführen, desto schlimmer wird die Rolle Deutschlands als unfreiwilliger Komplize weltweit.
Unter dem Vorwand, einem Hilferuf des im Jemen abgesetzten, illegalen, unterdrückerischen und multikriminellen Al-Hadi-Regime zu folgen, liefert Deutschland sogar in den vergangenen beiden Monaten Waffen im Wert von knapp 30 Millionen Euro, die zum Teil direkt in den Jemen-Einsatz weitergeleitet wurden.
Dies tut Deutschland unter der Nato-üblichen Sprachregelung, man brauche einen zuverlässigen Partner im Antiterrorkrieg!! Das ist eine kriminelle Unverschämtheit auf dem Niveau des Merkel-Regimes: Alle Beteiligten auf der westlichen Seite betreiben tatsächlich keinen Krieg gegen Terror, sondern managen diesen. Eine korrekte Antwort der Bundesregierung an den fragestellenden Linken-Abgeordneten van Aken hätte deshalb lauten müssen: Man brauche einen zuverlässigen Partner im kriminellen Terrormanagement zum Nachteil der ganzen Welt, einschließlich der Nato-Völker!
Ganz unter den Tisch fällt in der absurden Spiegel-Berichterstattung die Unterdrückungshilfe, die Riadh der kriminellen Herrscherfamilie von Bahrain gewährt.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/jemen-deutschland-liefert-weiter-waffen-an-saudi-arabien-a-1033639.html


Alles ruhig an Bord der Iran Shahed


Selbstverständlich werden mögliche Inspektionsszenarien hier lebhaft diskutiert. Grundstimmung ist, dass die Idee einer US-/saudischen Inspektion eine Zumutung darstellt, angesichts der multikriminellen Verwicklungen dieser Länder. Hingegen wären Inspektionen durch UN- oder IKRK-Kräfte hoch willkommen, weil dadurch der typisch amerikanische Verdacht eines Waffenschmuggels, übrigens ein typisch amerikanisches Geschäft! – vom Tisch wäre.
CNN hat gemeldet, unser Schiff werde von der iranischen Marine eskortiert – und unnötigerweise fügte US-General Burns hinzu, diese Eskorte sei unnötig. Beide Sichten sind falsch: Wir werden NICHT eskortiert, weil die entsprechende iranische Fregatte bereits vor Aden/Jemen kreuzt – und mir wäre wohler, wenn wir diese Eskorte hätten, weil es hier Piraten gibt – und im Ostjemen hält „Al-Qaida“ weite Landstriche unter Kontrolle, von dort aus könnte auch Gefahr drohen. Aber da sind wir ja noch längst nicht, vorerst fahren wir noch an der omanischen Küste entlang im Arabischen Meer.
Auf der Brücke hier ist man höchst wachsam, da sind offenbar auch noch ein paar Joker im Spiel, darüber kann ich leider nicht schreiben. ;-))
Es wird auch viel diskutiert, über Politik und Details, zum Beispiel darüber, wie das UN-Flüchtlingswerk UNRWA durch seine Lagerpolitik gegen syrische Flüchtling mithilft, den Milizen frische Kämpfer zuzutreiben. Ekelhaft.
Der vorhergesagte auffrischende Wind führte gestern zu ein paar sanften Rollbewegungen im Schiff, die wunderbar sind zum Einschlafen, heute ist die See ziemlich ruhig, es geht eine sanfte, lange Dünung, traumhaft.


Konfrontation im Golf von Aden?
Iranische Hilfsmission für Jemen: Blockade als wahrscheinlichstes Szenario


Die Seereise verläuft bisher außerordentlich erfreulich, ruhig und störungsfrei. Doch an Bord ist sich jeder sicher, dass das „dicke Ende“ bevorsteht, wenn die „Iran Shahed“ den Golf von Aden erreicht. Hintergrund: Die beiden wichtigsten Aggressoren im wochenlangen Jemen-Massaker, die USA und Saudi-Arabien, werden ihr Möglichstes tun, um die Mission scheitern zu lassen. Am 24. April haben sie sogar den Hauptstadtflughafen von Sanaa bombardiert, um die Landung eines Airbus 310 von Iran Air, gechartert vom iranischen Roten Halbmond und beladen mit 11 Tonnen dringend benötigter medizinischer Versorgungsgüter, an der Landung zu hindern.
Die „Iran Shahed“ hingegen trägt 2.500 Tonnen Hilfsgüter, davon 60 Tonnen für medizinische Versorgung. Die natürliche Frage unter diesen Umständen multikrimineller Mordpolitik lautet deshalb: Wie weit gehen die blutgierigen Führungen der USA und Saudi Arabiens, um diese Hilfslieferung zu stoppen?
Jede Inspektion und Waffensuche an Bord der „Iran Shahed“ verbietet sich, da im Ergebnis die Aggressoren verpflichtet wären, das Schiff im Zielhafen Hodeida anlegen zu lassen.
Daher erscheint als wahrscheinlichstes Szenario, dass Seestreitkräfte dem iranischen Schiff den Weg abschneiden und seine Weiterfahrt blockieren. Diese Blockade wird umso wichtiger, als sie den einzigen noch möglichen Erfolg der blutgierigen Aggressoren darstellt, denn der Jemenitische Widerstand ist offenbar so stark, dass Saudi-Arabien vor einer Bodenoffensive zurückschreckt – und die Familie des früheren Präsidenten Al-Saleh so fest eingebunden in diesen Widerstand, dass die üblichen Methoden der Erpressung, Bedrohung und Bestechung offenbar nicht fruchten.
Crew, Mitarbeiter der Hilfsmission und ausländische Gäste stehen geschlossen im festen Willen, den Hafen Hodaide zu erreichen.


Hintergründe:
JEMEN: Saudis attackieren seit 2002 vergeblich – Erfolg für Jemen!


Über den Jemen und die ständige Bedrohung durch die saudischen Nachbarn im Norden informieren die westlichen Großmedien fast gar nicht. Das bedeutet für den etwas versierteren Nachrichtenkonsumenten der Nato-Länder, dass hier offenbar unbequeme Wahrheiten liegen, deren nähere Erforschung mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führt, das offizielle Lagebild in Frage zu stellen und schließlich als eindeutig falsch zu den umfangreichen Akten der Nato-Lügen zu legen.
Die aufstrebende islamische Bewegung im Jemen hat die CIA mit saudischer Unterstützung und unter Einsatz der üblichen Mittel zu (zer)stören versucht. Eines dieser Mittel war das langjährig bewährte Terrormanagement für die Schaffung eines jemenitischen „Al-Qaida“-Franchise-Geschäfts. Die islamische Jugendbewegung und der Stamm der Houthis, zusammen mit anderen, übrigens auch sunnitischen, Kräften haben diese Hoffnung entscheidend gestört. „Al-Qaida“ ist heute im Jemen eine marodierende Söldnertruppe, die ganz schnell an ihre Grenzen käme, wenn der saudische Bomben-Druck ebenso nachlässt wir die massive Unterstützung von außen. Das allein sagt schon fast alles.
Im Ergebnis bedeutet das heute, dass die West-Marionette Al-Hadi ihre Herrschaft gegen eine Mehrheit in Parlament und Bevölkerung nicht mehr halten konnte, trotz aller massiver Unterstützung von außen nicht, die ja in einem derart armen Land wie Jemen im letzten Fünftel der ärmsten Staaten dieser Welt rein theoretisch eine große Macht entfalten könnte. Armut bedeutet jedoch nicht automatisch Uninformiertheit – und so lehren die USA mit ihrem lokalen Vasallen Saudi-Arabien die Menschen im Jemen vor allem eines: Dass es mindestens töricht wenn nicht tödlich ist, sich mit diesen gierigen und korrupten Kräften einzulassen.
Die Saudis wiederum kommen in eine verzweifelte Lage: In Libyen haben sie mitgeholfen, ein relativ blühendes, wenn auch stark korruptes, Gemeinwesen derart zu zerstören, dass an Einigung und Wiederaufbau in zehn Jahren nicht zu denken ist. Für Washington besonders erfreulich: Das afrikanische Einigungswerk des rührigen und strategisch handelnden libyschen Führers Gadhafi wurde gleich mit beschädigt. In Syrien zerbröselt eine vorbildlich friedliche multireligiöse Gemeinschaft, die zwar unter ähnlich korrupter und autoritärer Herrschaft steht wie ehedem in Libyen, jedoch mit beispielhaftem Bildungsniveau, kostenloser Gesundheitsfürsorge und vielen anderen Vorteilen auch ohne sagenhaften Ölreichtum einen sehr kultivierten, weltoffenen und unaggressiv-patriotischen Stil gefunden hat. Der Irak ist heute strukturell stark bedroht – auch mit saudischer Hilfe. Besonders ekelhaft jedoch ist der saudische Einmarsch in Bahrain und die widerwärtige Komplizenschaft mit der multikriminellen Herrschaft der Räuberfamilie Al-Khalifa, die bei ihrer Besiedelung Bahrains zu den mächtigen Piraten der Region zählten.
In Summe hat sich hier das saudische Herrscherhaus während der letzten fünf Jahre in eine höchst schwierige Lage gebracht, stets ist man mit von der Partie, wenn Muslime andere Muslime töten; ausgerechnet als offizielle Schutzmacht der heiligen Stätten Mekka und Medina; und das ohne Not. Der jetzige unprovozierte Angriff auf den Jemen könnte einen unangenehmen Wendepunkt für Riadh markieren: Seit Jahren gärt es unter den bedrängten Schiiten des Landes, von denen 30.000 in brutaler saudischer Folterhaft leiden. Die meisten wichtigen saudischen Ölquellen jedoch liegen in diesen schiitischen Gebieten. Sollten nun im Zuge der gegenwärtigen Kriegführung jemenitische und saudische Schiiten sich gegen Riadh verbünden, hätte Washington sich erneut durch besonders dumme Politik selbst in den Fuß geschossen – wie schon zuvor in Afghanistan und Irak.
Hillary Clinton hat vor einigen Jahren einmal sehr treffend bemerkt, die USA hätten derzeit zwar keine großen Feinde mehr – jedoch auch keine Freunde. Ihr Problem: Sie zieht aus dieser hübschen Einsicht bislang keinerlei politische Konsequenzen. Gorbatschow sagte: ‚Wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte’ – das ist das Schicksalswort nicht nur für diese Präsidentschaftskandidatin.
Für die Familie Saud lautet die Schicksalsfrage: Wird sie rechtzeitig erwachen und ihre Politik radikal umstellen können – oder nicht?

Quelle: Mehrere Facebook Einträge .. übermittelt über Twitter

 

 

12. Mai 2015

 

Chr. Hörstel Iranberichte - Fortsetzung

 

11. Mai 2015


Ein Rettungsschiff für Jemen: “Iran Shahed” – “Iranischer Augenzeuge”

30.000 “Bruttoregistertonnnen” (BRT) sind nichts, wenn wir an die riesigen Öltanker denken, mit 500.000 BRT, die die Weltmeere befahren. Doch für den kleinen und jetzt völlig verarmten Staat Jemen bedeutet dieser bescheidene Frachter die Welt: Wenig Hilfe erreicht das geschundenen Land, in dem die CIA seit 20 Jahren mühevoll Al-Qaida auf die Beine half, manchmal wurden auch in der Not einfach irgendwelche Figuren von der Straße aufgelesen, um sich für 100-Dollar-Beträge als Terroristen verhaften und vor Gericht vergleichsweise milde verurteilen zu lassen. Und ich kenne keine Untersuchung, wie viele dieser Strafen zu welchem Prozentsatz voll “abgesessen” wurden.

Und jetzt also ein Rettungsschiffchen für Jemen, das von außen gesehen für den Laien noch ganz beeindruckend aussieht. 1200 Tonnen Reis, 700 Tonnen Mehl, 400 Tonnen Dosennahrung, 100 Tonnen Zelte & Decken, 60 Tonnen medizinische Hilfsgüter, 50 Tonnen Wasser. Dazu 18-20 Mann Besatzung, 40-50 Passagiere, darunter eine größere Gruppe Ärzte, darunter eine Reihe Chirurgen unterschiedlicher Spezialisierungen, etwa 6-8 Journalisten oder Berichterstatter, davon zwei US-Amerikaner, ein Franzose und ein Deutscher – ich.

Wir werden aus der Ferne begleitet von einer iranischen Fregatte, die gestern von Präsident Rouhani einen öffentlichen, klaren Auftrag erhielt: Jeder Angriff auf unseren “Augenzeugen” werde als Angriff auf den Iran betrachtet.

Offen gestanden ist es wenig aufmunternd, sich als Bestandteil eines Kriegseintrittsszenarios zu betrachten. Andererseits gibt es an der jemenitischen Küste nicht nur Piraten, sondern auch allerhand Al-Qaida-Gelichter. Und es ist noch weniger erheiternd, ausprobieren zu müssen, wie scharf die Messer an Jemens Badestränden sind. Also: Fregatte.

Die entscheidenden Stunden werden die der Hafenanfahrt Hudaide sein, wenn klar wird, was sich die Saudis und ihre US-amerikanischen Feuerleitkräfte ausgedacht haben, um die Rettung zu behindern oder scheitern zu lassen. Abdrängen, Hafenblockade, Verminen, Nah-Abwürfe von Wasserbomben – fühlen Sie sich völlig frei in der Wahl Ihres Menüs.

Natürlich könnten wir auch in einem Nachbarland ausladen – und dann erfolgt die Rettung über Land in Fahrzeugen. Doch bleibt zu befürchten, dass die USA mit ihren hervorragenden Satelliten und diensteifrigen Joystick-Piloten sowie der saudischen Luftwaffe ein besonderes Scheibenschießen veranstalten werden, um so wenig wie möglich durchkommen zu lassen. Die Rede ist von humanitärer Hilfe des iranischen Roten Halbmonds, die mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf abgesprochen und allen Partnerorganisationen bekanntgegeben ist.

Gäbe es Recht und Ordnung in dieser Welt, müssten die USA achtkantig aus der Nato fliegen, der UN-Sicherheitsrat scharfe Sanktionen gegen die USA verhängen – und die US-Botschafter zusammen mit ihren saudischen Kollegen müssten alle eine Sonderration Schuhsohlen bekommen, wegen der häufigen Zitierungen durch die weltweiten Außenministerien: Zur Übergabe eisigen Protests.

Washington fühlt sich offenbar sauwohl in seiner Rolle als Schurkenstaatsverwaltung. Das sollte die weltweite Völkergemeinschaft dringend beenden. Wenn Verbrechen sich derart lohnen, steht die Welt vor fürchterlichen Explosionen.

http://christoph-hörstel.de/?p=734

 

Christoph Hörstel: Reiseberichte aus dem Iran

 

(Hörstel befindet sich seit dem 7. Mai 2015 in Teheran)

 

Teheran: …und nach nur 11 Stunden hatte ich mein Visum

 

Ankunft IKA (Imam Khomeini Airport) nach Mitternacht 01:15. Und um 13:30 km mein neuer Freund vom iranischen Roten Halbmond mit diesem hoooch wichtigen Zettelchen: Darauf fand ich eine Passkopie und: das Visum!

Die Wartezeit habe ich mit Lesen und interessanten Gesprächen verbracht. Irgendwann morgens um Vier waren wir beide so müde, dass wir in einem kleinen Sichtschutz-verglasten Abteil die Liegestühle belegten – allerdings  ohne dass ich hätte schlafen können.

Da gab es eine Menge zu erzählen, über erfolgreiche und gescheiterte Einreisen, allgemeine Politik; und es zeigte sich, dass mein Gesprächspartner vom iranischen Roten Halbmond eine Freude ist – wie die meisten Iraner.

Kurz zu meiner verqueren Visa-Geschichte mit Iran:

2005 kam es zu einer mehrmonatigen Beratungstätigkeit meinerseits im Bereich des iranischen Außenministeriums. Die Visen hatte die iranische Botschaft in Wien ausgestellt, so lief die Verbindung. Danach gab es kein Visum mehr.

2008 habe ich in etwa 20 Stunden Gespräch dem stellvertretenden iranischen Generalkonsul in München, mein damaliger Wohnort, alles über mich mitgeteilt, was er wissen wollte. Am Donnerstag, 30. Oktober 2008 erhielt ich morgens mein brandneues Visum – und, genau wie diesmal, flog ich abends ab, um am Freitag in aller Herrgottsfrühe in Teheran zu landen – wo ich abgewiesen und deportiert wurde. Ab, zurück nach Deutschland, Reise beendet. Proteste halfen nicht. Ich habe bis jetzt nicht herausgefunden, was diese harsche Entscheidung hervorgerufen haben könnte. Aber wir arbeiten daran.

Ich habe dann lange überlegt, ob ich gegen das Steinmeier-geführte Außenministerium nach Informationsfreiheitsgesetz (§ 26, IFG) klagen sollte – ließ mich jedoch vor ein paar Wochen belehren, dass diese Dinge im AA nur mündlich gemacht werden, da werde nichts herauskommen.

Immerhin hatte ich inzwischen gelernt, nach Hinweisen aus einem iranischen Ministerium, dass Nato-Regierungen sehr wohl missliebige Kritiker dadurch “stilllegen”, dass sie andere Staaten unter Druck setzen, keine Visen auszustellen. Es sind durchaus bekannte Namen darunter.

http://christoph-hörstel.de/?p=711

 

 

Teheran: “Parsian Azadi Hotel” – Hotel Persische Freiheit

8. Mai Und wer dann wie ich fix & foxi vom Flughafen kommt, freut sich natürlich über so ein Zimmer: angenehme, leichte Kühle, peinliche Sauberkeit, Ordnung, und ein richtig tolles Badezimmer. Allerdings: Im Internet komme ich nicht auf meine Facebook-Seite – und auch nicht auf Twitter, kleines Überbleibsel von den CIA/Mossad-Spielchen um die Wiederwahl von Präsident Ahmadinedschad.

Wir werden vermutlich zehn Tage Schiffsreise im Persischen Golf mit 40-50 Menschen erleben – ich werde die amerikanischen, französischen etc. Kanonenboote von ihren besonderen Fans aus Deutschland grüßen…: es geht um eine Lieferung von Hilfsgütern in den bedrängten Jemen. Hauptsächlich USA und Saudi-Arabien, jedoch auch  andere arabische Staaten, vom Golf-Kooperationsrat – dazu Marokko und Pakistan, richten dorthin Massaker an, ein klarer Verstoß gegen jedes internationale und humanitäre Recht. Selbstverständlich völlig sanktionsfrei.

Die Hilfslieferung dient vorwiegend der medizinischen Versorgung – enthält jedoch auch Mehl. Ich werde darüber ausführlich berichten – und eigenhändig die Ladung stichprobenartig überprüfen.

http://christoph-hörstel.de/?p=716

 

8. Mai Blick aus meinem Zimmer im 18. Stock!

Wow!
Da merkt man doch gleich, wie effizient mehr als 35 Jahre harter Sanktionen sind, wenn ein Volk sich vornimmt, sich trotzdem zu entwickeln.
Wenn man genau hinschaut, dann sieht man, dass sehr vieles einfach im Iran hergestellt wurde, und ahnt die ungeheure Wucht dieses kriminellen Völker-Mobbings, dieser Wirtschafts-Unterdrückung. Dieses Sanktionsregime muss jetzt wirklich sofort und bedingungslos aufhören!
(Und jetzt erstmal eine Runde schlafen...)

https://www.facebook.com/Infoseite.zu.Christoph.Hoerstel/photos/pb.186257908083487.-2207520000.1431255553./951594608216476/?type=1&theater

 

Teheran: 9 Jahre Freundschaft - erstes Treffen (mit Schahrokny)
(Teheran, 9. Mai 2015, 13 Uhr) Wenn man etwa neun Jahre lang immer öfter, zum Schluss mindestens einmal pro Woche, mit jemandem telefoniert und Interviews gibt, ohne diesen Menschen je gesehen zu haben. Wenn man schließlich beginnt, miteinander über die Familie und persönliche zu sprechen. Wenn man schließlich auch Sorgen und Befindlichkeiten austauscht, dann kann man vielleicht sagen, man ist befreundet.
Außergewöhnlich ist daran nur, dass es nie zu einem Treffen kam - und das hängt mit meinen Visaproblemen zusammen und wahrscheinlich auch mit der Tatsache, dass ich ein relativ offener Zeitgenosse bin. Nicht jeder verträgt das, auch nicht in Deutschland; und im Iran ist man alles Mögliche - aber nicht wirklich offen.
Syed Hedayatollah Schahrokny ist ein Stückchen älter als ich, leitet seit mindestens 20 Jahren das deutsche Programm des iranischen Staatsrundfunks IRIB - und ist ein ziemlich harter Knochen. Einmal versuchte ein anderer deutscher Interviewgast, unter Hinweis auf einen Text von mir, mich bei ihm als "rechtsradikal" zu diffamieren - offenbar in dem bestreben, ihn von weiteren Interviews abzubringen. Schahrokny fragte nur knapp bei mir zurück: "Haben Sie diesen Beitrag geschrieben, Herr Hörstel?" Und als ich das bejahte, sagte er nur kurz: "Gut, danke." Weitere Erklärungen von mir würgte er ab. Die Anruferin beschied er mit den Worten: "Ich habe das nachgeprüft, Herr Hörstel hat den Beitrag tatsächlich geschrieben - damit ist die Angelegenheit für mich beendet."
Völlig korrekt, ich schreibe keine rechtsextremistischen Beiträge, wohl aber kritisiere ich z. B. die auch für den Rest der Welt außer ein paar korrupten und multikriminellen Elite-Angheörigen nicht akzeptablen täglichen und massiven Rechtsverletzungen der israelischen Regierung.
Was soll ich sagen: Es war das erste Treffen - und er hat mir einen sehr persönlichen Schwank aus seinem Leben erzählt - und ich auch. Und sobald ich von meiner kleinen "Kreuzfahrt" (Halbmondfahrt?) zurück bin, werden wir uns bestimmt wieder treffen und uns etwas erzählen. Ein guter Mann, ich vertraue ihm.
Iran macht Freu(n)de, kann ich nur weiterempfehlen.

https://www.facebook.com/Infoseite.zu.Christoph.Hoerstel/photos/a.443332172376058.95320.186257908083487/951594608216476/?type=1&theater

 

10. Mai Augenzeuge: Ein unglaubliches Abenteuer über Jemen
(Flugreise Teheran-Bandar Abbas) Am Vormittag in Teheran hatte ich ihn bei einer Einführungsveranstaltung kurz kennenlernen dürfen: Dr. Ali Reza Tahami, Allgemeinarzt, Leiter unserer Halbmondfahrt in den Jemen. Als dann im Flugzeug ein Platz neben ihm freiblieb, schlug der alte journalistische Riecher durch...: Tahami erzählt:
Freitag, 24.April 2015, ca. 16 Uhr: Ein Airbus 310 der nationalen Luftlinie "Iran Air", gechartert vom iranischen Roten Halbmond beginnt den Landeanflug auf den jemenitischen Hauptstadtflughafen Sanaa. An Bord: 11 Tonnen dringend benötigte Medikamente und medizinische Ausrüstungen. Plötzlich tauchen zwei F-15 Kampfjäger der saudischen Luftwaffe auf - und versuchen, das Flugzeug abzudrängen.
Doch der iranische Pilot lässt sich nicht beirren. Einer der Kampfjäger fliegt wenige Meter unterhalb der Maschine, um sie daran zu hindern, den Sinkflug fortzusetzen. Auch das hilft nichts, Irans Airbus setzt den Sinkflug fort, der kleine Kampfjäger sieht durch seine Glaskanzel diesen Riesenbrocken auf sich herunterkommen, langsam aber sicher. Merke: Kampfjäger-Blech ist deutlich dünner als Transporter-Blech. Auf der Straße vergleichbar mit der Begegnung zwischen einem Ferrari und einem Omnibus. Nicht nur als Autonarr liegt mein Mitleid ganz beim Ferrari.
Kurz: Die Saudis geben auf - und bombardieren den Flughafen Sanaa. Daraufhin kehrt der Airbus um, fliegt zurück Richtung Iran. Da meldet sich der Tower Sanaa: Landebahn noch akzeptabel, reißt euch zusammen, dann könnt ihr landen.
Keine Debatte, Iran Air wendet, fliegt zurück, Richtung Sanaa. Wieder kommen die Abfangjäger. Hilft nix, seit dem letzten Mal hat sich die Blechstärke nicht geändert, Iran Air setzt sich durch. 11 Tonnen für die blutende Bevölkerung, Verstümmelungen, schreiende Kinder, brüllende Erwachsene, Hölle.
Und dann passiert es: Die Saudis bombardieren den Flughafen erneut. Diesmal mit Erfolg, meldet der Tower. Iran Air wendet letztmalig: keine Chance; es gibt keine brauchbaren Autobahnen in der Nähe... 11 Tonnen Medikamente kommen nicht an, wo sie dringend gebraucht werden. Muslime schaden Muslimen. Und die allerchristlichste Weltmacht hat das so eingetütet.
Ali Reza Tahami hat sehr genau hingesehen, wie die Saudis "seinen" Airbus umschwänzelt haben. Er hat sich die Freiheit genommen, das mit seinem Handy ein wenig für die Nachwelt festzuhalten: (link wird noch gesucht.)
Für beide Seiten gehört das offenbar zum täglichen Brot:
http://www.presstv.ir/Detail/2015/04/24/407779/Yemen-Saudi-Arabia-Iran-airplane-intercept-medical-aid
Zurück im Iran hat Tahami die 11 Tonnen umladen lassen, jetzt sind sie auf unserem Schiff. Vermutlich heute Abend steigen wir ein und fahren los. Bismillah…
http://theaviationist.com/tag/boeing-f-15-eagle/

https://www.facebook.com/Infoseite.zu.Christoph.Hoerstel/photos/a.443332172376058.95320.186257908083487/951595838216353/?type=1&theater

 

Das Öl/Nuklear-Puzzel im Nahen Osten

von Pepe Escobar

übersetzt v. Dream-soldier

17. März 2015

US-Außenminister John Kerry könnte die Politik des äußersten Risikos genießen, denn wie er sagt, ist es „unklar“, ob die USA und der Iran ein politisches Rahmenabkommen über die Atomfrage vor dem Ende dieses Monats noch erreichen.

Lauter Beifall könnte auf den Fluren in Tel Aviv und Riad zu hören sein.

Seit der Wiederaufnahme der Verhandlungen in Lausanne ist es Tatsache, dass ein potenzielles Nuklearabkommen zwischen dem Iran und der Gruppe 5 + 1 (US, UK, Frankreich, die BRICS Mitglieder Russland und China und Deutschland) an die Möglichkeit gebunden ist, weiter iranische Ölexporte zu öffnen, was dann den Ölpreis weiter fallen lässt. Seit Anfang dieser Woche wurde Brent-Rohöl bei $ 54,26 pro Barrel gehandelt.

Unter der Annahme, die USA und die EU-Staaten, die Teil der Gruppe 5 + 1 sind, dass sie wirklich damit einverstanden sind, die Aussetzung der Sanktionen der Vereinten Nationen bis zum Sommer (Russland und China bereits einig) umzusetzen, wird nicht nur der Iran mehr Energie exportieren, denn auch die OPEC als Ganzes wird sein Überangebot zunehmen lassen.

Die Europäer wollen dringend Mengen iranischer Energie kaufen und in iranische Energie-Infrastruktur investieren. Peking, der Schlüssel und diskretes Mitglied in der Gruppe 5 + 1 beobachtet diese Entwicklung ganz genau.

Für China ergibt sich eine Win-Win Situation, da Peking aktiv eine strategische Erdölreserve aufbaut und vom niedrigen Preis profitiert. Und selbst wenn der Ölpreis durch die Stärke des US-Dollar auch unter Druck bleibt – und auf diese Weise Öl verteuert, wenn man es mit einer Fremdwährung bezahlt – ist es für China bestimmt kein Problem, da sie über einen Mammut an Dollar-Reserven verfügen.

Der Ölpreiskrieg, im Wesentlichen durch Saudi Arabien entfesselt, hat den Iran wie einen Paukenschlag getroffen. Das Land mag zwar danieder liegen, es ist aber nicht draußen. Es gibt kaum erfreuliche Optionen für Teheran, außer zu versuchen, durch das Angebot gleicher Rabatte ihren Markt aufrecht zu erhalten, besonders für Asien, wie die Saudis es auch anbiete.

Teheran befindet sich seit Jahren unter bösen, westlichen Sanktionen, was ihre Fähigkeiten einschränkt, Öl zu exportieren und ihre Produktion zu steigern. Für die iranische Regierung ist es extrem schwierig, die Lücke der erwarteten Einnahmen auf der Grundlage früherer hoher Ölpreise zu schließen.

Der Name des Spiels unter den großen Ölproduzenten heißt jetzt, Marktanteile um jeden Preis zu halten. Iran kann dem nicht entkommen, weil es zu allen Zeiten die Angst vor dem Überangebot und seinem Wunsch, die Produktion zu erhöhen, in Schach zu halten. Einige Ölförderländer wollten kommende Öllieferungen aus dem Markt heraus halten. Das Ergebnis wird sein, dass der Iran ernsthafte Schwierigkeiten haben wird, seine Produktion zu erhöhen und mehr zu exportieren, während versucht wird, pre-sanktionale Marktanteile zurückzugewinnen.

Eine Wohnung im Nahen Osten kaufen?

Während eine Art von unerklärtem „Ölkrieg“ immer noch weit entfernt ist, das Endspiel zu erreichen, verspricht die Nuklearfront einige ins Auge fallenden Durchbrüche.

Kraftvoll – wenn auch manchmal Konflikt beladen – zieht das 'Imperium des Chaos' in Washington aktiv den Traum in Betracht, US-Militäranlagen aus dem Nahen Osten nach Europa zu transferieren, um den Druck auf Russland hoch zu fahren unter dem Vorwand der „Aggression“ gegen die Ukraine.

Das könnte nur passieren, wenn die „Kontrolle“ über den Nahen Osten ein wenig zwischen der Türkei, dem Iran und in einem viel geringeren Ausmaß das Haus Saud aufgeteilt wird. Für die notorisch wackelige „mach kein dummes Zeug“ Außenpolitik der Obama-Regierung könnte diese Entwicklung ein Schlüsselprinzip sein hinter dem Druck für einen erfolgreiches 5 + 1 Atomabkommen mit dem Iran, der in diesem Sommer erreicht werden könnte.

Iran hat bereits seinen eigenen Einflussbereich aufgebaut und zum blühen gebracht. Es ist der Fall Türkei und Saudi Arabien, der weit komplizierter ist.

So weit sich Ankara sehr wohl bewusst ist über den grimmigen Zickenalarm um die regionale Macht zwischen Teheran und Riad, versucht man zu beiden gute Beziehungen zu haben.

Für Syrien ist entscheidend, das sich Ankara und Riad auf der gleichen „Assad muss gehen“ Seite befinden. Fast – denn die pro-Muslimbruderschaft Allianz Türkei-Qatar befindet sich seit vier Jahren in direkter Konkurrenz zu dem Salafisten unterstützenden Haus Saud.

Jedenfalls, wenn der türkische Präsident, auch bekannt als „Sultan“ Erdogan, Anfang März den neuen saudischen König Salman besucht, erreichen sie ein Verständnis; sie werden beide für die syrische Opposition eine „Unterstützung“ - Waffen und anderes - im Stile eines Turboladers durchführen. Das Problem ist, es gibt dort keine glaubwürdige syrische Opposition; praktisch jeder, der weiß, wie man kämpft, ist zum gefälschten Kalifat von ISIS/ISIL/Daesh übergelaufen.

Das bedeutet wieder einmal auf den Punkt gebrachte Errichtung einer Situation Sunniten gegen Schiiten, ein klassischer Teile und Herrsche Schachzug, der für das Haus Saud seit langer Zeit Priorität hat.

Das „Imperium des Chaos“ sollte theoretisch aber zufrieden sein. Sind sie jedoch nicht. Ziel der Obama-Regierung ist – offiziell – „den Islamischen Staat zu priorisieren, nicht Assad.“

Aber das kann sich auch innerhalb eines Herzschlages ändern. Der neue Pentagon Oberboss Ashton Carter hat gerade eingestanden,„dass wir für die Kräfte, die wir in Syrien trainierten, noch einige Verpflichtungen haben, sie zu unterstützen.“ Aber das würde auch „die Möglichkeit einschließen, dass sie, auch wenn sie ausgebildet und ausgerüstet sind, gegen ISIL zu kämpfen, in Kontakt mit Kräften vom Assad-Regime kommen könnten.

Kein Wunder, dass Damaskus müde ist und auf US „Aktionen“ warten will, vor allen möglichen Verhandlungen mit Washington. An einem Tag sagt Kerry, dass Gespräche mit Damaskus notwendig sind, um den Bürgerkrieg in Syrien zu beenden. Am nächsten Tag wiederholt er: „Assad muss gehen.“

Obamas Kumpel spielt Paranoia

Was die no-fly Zone im nördlichen Syrien angeht, heftig von Erdogan unterstützt und ein feuchter Traum von Neokonservativen in Washington, es wird nicht geflogen. Ein Extragrund für Ankara, dem neuen Saudi anti-Iran-Plan fern zu bleiben.

Um die Sache noch weiter zu komplizieren, die Macht innerhalb des Hauses Saud bleibt diffus. Darüber sind sich CIA und BND, der deutsche Geheimdienst, einig und es gab ein ständiges Grollen in Washington, damit das Haus Saud schließlich gehen soll.

Das Haus Saud hat immer noch nicht verstanden, dass Syrien nicht die Haupt-“Bedohung“ für sie ist. Sie sind wegen der Grenze zum Irak ausgeflippt – wie auch mit den Grenzen zum Jemen und Bahrain. Obendrein stimmten sie einem Kampf mit Russland über den Ölpreis zu. Die Saudis sagen, sie pumpen nur 9,5 Millionen Barrel Öl pro Tag und nicht 12,5 Millionen; Moskau sagt im Wesentlichen, sie fördern ihre gesamte Kapazität.

Sollte der Ölpreiskampf die Russen dämonisierende „Master of the Universe“ freuen, so sind sie doch zur gleichen Zeit zutiefst wütend, weil es ihre US-Schiefergas „Revolution“ dezimiert. Was bleibt über für die Massen der arbeitslosen US-Arbeiter? Finde einen Job in Saudi Arabien. Noch ein Grund mehr für den „Master of the Universe“, das Haus Saud zu jeder Zeit, wann er Lust hat, seinen Müll abzuladen.

Wie vorauszusehen war, Paranoia im Hause Saud bleibt die Norm. Der ehemalige saudische Geheimdienstboss aller Bosse (und früherer Freund von Osama bin Laden) Prinz Turki ist übersteuert, wenn er dem Iran nachsagt, „ein zerstörerischer Spieler in verschiedenen Szenen der Arabischen Welt zu sein, sei es im Jemen, Syrien, Irak, Palästina oder Bahrain“ und beschuldigt den Iran, „ihre Expansion im Irak auszudehnen“ und darauf beharrt „der Feind“ von Assad und ISIS/ISIL/Daesh zu sein und nicht zuletzt eindeutig ein mögliches Atomabkommen mit dem Iran zerreißt.

Noch besorgniserregender ist, dass König Salman den pakistanischen Premierminister Nawaz Sharif nach Riad geholt hat – zum Flughafen für ein Treffen mit ihm eilt – um eine strategisch wichtige Atomübereinkuft zu bestätigen, bevor jeglicher Iran/5 + 1 Deal sicher ist. Fazit: das Haus Saud vertraut dem amerikanischen Atom-Schirm nicht mehr. Sie machen ihr eigenes Atom-Macht-Spiel mit der Hilfe von Atommacht Pakistan. Die Verbindung existiert, bleibt aber sehr geheimnisvoll.

Keine Notwendigkeit, das aufkommende Gewirr von ominösen Folgen zu skizzieren.

Demente Nuklear-Wahhabiten gefällig … für irgend jemanden?

http://rt.com/op-edge/241549-middle-east-oil-nuclear-puzzle/

 

Die wahre Geschichte betreffend Iran, USA, Russland und China

Pepe Escobar – http://sputniknews.com

4. März 2015

Übersetzung Remo Santini

Die wahre Geschichte ist es, und wird es weiterhin sein, wie Iran, die wichtigste Macht in Südwestasien, in dem ununterbrochenen, komplexen Ballet zwischen USA, Russland und China positioniert werden wird. Dies ist einer der Hauptvektoren im Neuen Großen Spiel in Eurasien.

Die wahre Geschichte hatte nie damit zu tun, dass der kriegstreiberische israelische Premierminister Bibi Netanyahu, ein ausländischer Politiker, das Kartenhaus, sorry, das US-Kapitol, in ungehobelter Manier im Hinblick auf eine Wiederwahl als eine einfache Kanzel zum große Redenschwingen benutzen würde, um die US-Präsidentschaft und die amerikanischen Außenpolitik zu prägen.

Ein anschaulicher Hinweis war, dass während „Bombardiert-Iran“-Bibi in Washington seine 39-minütige Tirade am Abziehen war, der US-Außenminister John Kerry und der iranische Außenminister Javad Zarif für ihre dritte Runde über Nuklearverhandlungen in Montreux weilten.

Die wahre Geschichte hat auch nur teilweise mit dieser mehrjährigen Seifenoper zu tun – dem iranischen Nukleardossier. Zu Ende dieses Monats wird der Termin sein, um zu einer Rahmenvereinbarung zu kommen, und im Juni – optimistisch – zu einer umfassenden endgültigen Einigung.

Was auf höchstem Niveau auf dem Spiel steht, ist allen Hauptspielern seit langem bekannt. Teheran wird sich für nichts weniger als eine rasche Beendigung des derzeitigen üblen, illegalen Sanktionspakets auf eine Einigung einlassen. Aber Washington, unter der Wolke der, wie sie sich selbst beschreibt, „Mach kein dummes Zeug“-Obama-Regierung, hält das Verschieben von Torpfosten als Verhandlungsvorstoß aufrecht.

Das Letzte ist Obamas Verlangen nach einer vorläufigen Einstellung der iranischen nuklearen Tätigkeiten für 10 Jahre. Zarif nannte dies

unlogisch“ und „übertrieben“.

Nun, genauso unlogisch wie die Markenzeichen-Paranoia,die vom üblichen Korb voll amerikanischen Neo-konservativen und Rechtsextremen zur Schau gestellt wird. Vergleichen Sie dies damit, wie das iranische Revolutionsoberhaupt Ayatollah Khamenei die Atomenergie betrachtet – mit all ihren Konsequenzen. Dies ist ebenso seit langem offiziellund für alle sichtbar gewesen.

China, Russland und Plan B

Im Gegensatz zu Cheneys Regime scheint die Regierung Obama zu einer logischen Schlussfolgerung gekommen zu sein – erleichtert durch umfangreiches Spielen des Pentagons: Washington kann das iranische Nuklearprogramm nicht zerstören – es sei denn durch den Einsatz von Atomwaffen.

Während praktisch des ganzen letzten Jahrzehnts war dies Plan A. Plan B sind die nie endenden „Verhandlungen“, welcher darauf hinausläuft, dem iranischen Nuklearprogramm eine Reihe von Restriktionen aufzudrücken, im Tausch gegen ein immer noch sehr dubioses Ende der Sanktionen.

Das wahre Ziel der Herren des Universums, die das Schattenspiel auf der Achse Washington-Wall Street kontrollieren, ist es jedoch, einen imperialen Niedergang zustande zu bringen. Dies setzt in Südwestasien einen erneuten Trenne-und-Herrsche-Vorstoß voraus, der die Türkei, Iran, Saudiarabien und Israel einbezieht.

Einige Hauptspieler in Washington werden zunehmend ungeduldig in Bezug auf das Haus Saud – das mit seiner Niedrig-Preis-Strategie die amerikanische Schieferöl-Industrie bombardiert. [Wenn sich da nicht jemand selbst in den Fuß geschossen hat… (AdÜ).] Andere befürchten, dass die Türkei – nach einem wichtigen Pipelineistan-Geschäft, dem Turk Stream – sich in Richtung Russland wegbewegt.

Währenddessen stehen Russland und China nicht untätig herum, da sie ein wichtiger Teil des P5+1-Verhandlungesteams mit Iran sind. Beide BRICS-Länder können – und tun es – den Iran als Hebel dazu benutzen, wie sie mit dem Hegemon verhandeln und immer Wege finden, um das „Schwenken nach Asien“ der USA zu unterminieren.

Sobald die Beziehungen mit Iran normalisiert sind, wird Teheran in die Schanghai Cooperation Organization (SCO) aufgenommen, derzeit genießt es Beobachterstatus. Washington graust sich vor diesem Vorgang – denn er wird die Integration Irans in Eurasien voranbringen und die politisch-wirtschaftliche Achse Moskau-Teheran-Beijing festigen.

Russland betreibt bereits einen sehr guten Handel mit Iran – von Atomkraftwerken bis zu Waffenverkäufen. Kein Geschäft mit den USA würde ohne stillschweigendes russisches Einverständnis durchkommen – und die Amerikaner wissen das.Beijing seinerseits tendiert dazu, den Status Quo beizubehalten – da es nicht wünscht, dass Teheran dem Westen ein bisschen näher rückt, weil das bedeuten würde, dass der Hegemon in seinem Status des „Schwenken nach Asien“ freier wäre, was China ganz richtig als Eindämmung erkennt.

Weiter die Straße runter kann Teheran eine Annäherung an den Westen benutzen, um seine Verhandlungsstärke gegenüber China zu erhöhen. Angenommen es würde diesen Sommer zu einem Abkommen kommen, so wäre Teheran in einer vorzüglichen Position, um von seinen chinesischen Partnern Konzessionen zu erlangen – in den Sektoren Wirtschaft, Sicherheit, Verteidigung. Aber der Name des Spiels bleibt eurasische Integration.

Das Kalifat, „unsere“ Bastarde

Was den lärmenden Bibi betrifft, so ist alles, was er hinterließ, einmal mehr der Versuch Washington einen israelischen Krieg nach eigener Wahl zu verkaufen, gegen einen bis zur Besinnungslosigkeit dämonisierten Iran. Aber das lief nicht – genauso wie jene üblichen Verdächtigungen, von denen dem Kartenhaus, sorry, dem US-Kongress, zu erzählen, die AIPAC-Lobby unverblümt ihren Schock-Truppen befahl; denn Krieg ist Frieden, und jedes Nuklearabkommen ist ein Pakt mit dem Teufel. Wie es von Trita Parsi ausgesprochen wurde: die wahre „existenzielle Bedrohung“ für Bibi ist der Friede.

Einmal mehr geht es bei der wahren Geschichte hier nicht um das Nuklearprogramm des Irans, sondern um die Möglichkeit einer Entspannung zwischen den USA und dem Iran, wo dann die Beherrschung der US-Außenpolitik durch Israel keine Eisenfessel mehr wäre.

Wie vorherzusehen war warf Bibi jedermann, vom Iran und dem „Libanon“ (hier meint er die Hisbollah) bis zu Assads Syrien und der Hamas, als in seiner „Nachbarschaft“ herumschleichende böse Kräfte, alle zusammen in einen Topf. Aber nicht ISIS/ISIL/DAESH. Also ist ein Iran ohne Nukleartechnologie eine größere Bedrohung für die Zivilisation als das fingierte, köpfungssüchtige Kalifat.

Für eine solche Weltanschauung eintretend, würde sich Bibi nicht einmal als Statist für das Kartenhaus qualifizieren – demjenigen bei Netflix. Inzwischen geht die wirkliche Israel-Story – die illegale, Palästina aufgezwungene Besetzung/Apartheid – weiter, vernebelt durch das übliche Geschnatter von Nachtwandlern im von Bibi überfallenen Kartenhaus, sorry, US-Kongress.

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