GEAB N°69 ist angekommen! Von Katrina zu Sandy: Zwei Wirbelstürme und das Ende Amerikas, wie wir es kannten

Wie LEAP/E2020 es seit mehreren Monaten vorhersagt, ist der große Schock für die Weltwirtschaft und die globale politische Stabilität sehr wohl im Herbst 2012 in Form eines symbolträchtigen Ereignisses hereingebrochen, über das in den Geschichtsbüchern nachzulesen sein wird: Wirbelsturm Sandy.

In der politischen Antizipation als Methode, auf die die Arbeiten von LEAP/E2020 gründen (1), ist Sandy unter zwei Gesichtspunkten wichtig: Zum einen ist es ein Ereignis, das wie ein Wassertropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, bei den Menschen angesichts der angestauten Probleme die Überzeugung entstehen lässt, dass es so nicht weitergehen kann, dass Dinge sich grundlegend ändern müssen; zum anderen ein Ereignis, das die Perspektive der Menschen verändert und den Blick auf die neue Wirklichkeit freigibt - denn man muss immer unterscheiden zwischen der Realität einer umfassenden Veränderung (die sich zumindest seit 2008 vollzieht) und dem Moment, an dem diese Veränderung endlich im kollektiven Bewusstsein als solche angekommen ist - was hier konkret bedeutet, dass erst jetzt den Menschen bewusst wird, dass Amerika nicht mehr das ist, was es einmal war.

Oktober 2012 wird damit in die Geschichtsbücher als der Zeitpunkt eingehen, an dem das Amerika der Nachkriegszeit und des ausgehenden 20. Jahrhunderts unterging. Der 29. Oktober 2012, der Tag, an dem der Wirbelsturm Sandy über New York hereinbrach, auf den Tag genau 83 Jahre nach dem Schwarzen Dienstag der Weltwirtschaftskrise, die 1929 begann, legt vor den Augen der Welt den wahren Zustand der amerikanischen Gesellschaft und ihres herausragenden Symbols, die Stadt New York, bloß. Die Kehrtwende der großen Medien weltweit ist erstaunlich, die alle am Morgen nach einem Wahltag, der fast überall auf der Welt Anlass zu Freude gab, mit Schlagzeilen aufmachten von einem Amerika "das sich verändert habe", "gespalten sei", ein "Dritte-Welt- Land", "in der Sackgasse", "vor dem Untergang" usw. (vgl. unten die Liste der Links). Sandy hat die Fassaden des alten Amerikas unserer Nostalgie endgültig zum Einsturz gebracht und den Blick auf das wahre Amerika freigegeben.

Sandy bestätigt alle Vorhersagen, die LEAP/E2020 seit sechs Jahren über den Niedergang der USA verfasst hat und insbesondere die, die wir in der 65. Ausgabe des GEAB veröffentlichten (2); sein Wüten markiert den Eintritt in die letzte Etappe des Zusammenbruchs des amerikanischen Systems. Der Sturm wütet im Finanzzentrum der Welt und richtet das allgemeine Augenmerk auf das Unvermögen der größten Stadt des mächtigsten Lands der Welt, sich gegen einen "kleinen" Wirbelsturm zu rüsten, der auch noch Tage vorher angekündigt worden war. Das ist wirklich das Ende des Amerikas, das die Welt kannte und je nach Standpunkt, bewunderte, verabscheute oder fürchtete.

Wie wir im Januar 2006 vorhersagten, ist die "Dollarmauer" (3) im Verlauf der letzten sechs Jahre brüchig geworden. Sandy hat diese brüchige Mauer mit voller Kraft getroffen, und dahinter kam ein "König ohne Kleider(4)" zum Vorschein. Die Verwüstung von New Orleans im Jahr 2005 ist die Entsprechung zur Kernschmelze von Tschernobyl in der Sowjetunion im Jahr 1986, als die ganze Welt fassungslos zusah, wie planlos die Krisenbekämpfung ablief und in welch schlechtem Zustand die Wirtschaft war. Und die Dollarmauer ist die Entsprechung zur Berliner Mauer. Zwei Jahre nach deren Fall brach auch die UdSSR zusammen. Die Dollarmauer fiel der Krise zum Opfer und 2013 wird das Jahr werden, in der das Amerika der Nachkriegszeit und des 20. Jahrhunderts zusammen bricht.


USA: Schulden des Bundesstaats, Arbeitslosigkeit, Arbeitsplätze in der Industrie, Außenhandelsdefizit - Quelle: Der Spiegel, 05/11/2012

Von Katrina zu Sandy über Lehman Brothers - diese Abfolge von Schocks hat die US-Macht zusammenbrechen lassen, das Vertrauen der Welt hat sich verflüchtigt. Hierzu lohnt sich wirklich die Lektüre des unglaublichen Artikels des Spiegels "Divided States of America: Notes on the Decline of a Great Nation (5)", geradezu eine Zusammenfassung der Vorhersagen von LEAP aus sechs Jahren - in einem Massenmedium wie dem Spiegel ist dies wirklich nichts Banales.

Nach Sandy und den amerikanischen Präsidentschaftswahlen haben die globalen Medien, einschließlich der europäischen, die sich üblicherweise vor Bewunderung vor den USA überschlagen, eindeutig eine Kehrtwende gemachtund betrachten das Land nun mit dem kritischen Auge der Realität (6). Das Urteil ist einstimmig, die große Macht der Nachkriegszeit ist nun Teil der Vergangenheit.

Nachdem Sandy abgeflaut ist, bleibt von der Wiederwahl Obamas ein bitterer Nachgeschmack für eine Hälfte Amerikas und die übrige Welt, wie man sehr gut an den Presseschlagzeilen sehen kann. Was eigentlich eine gute Nachricht sein sollte, da Obama der Wunschkandidat der übrigen Welt war, ist gleichzeitig aber auch das Vorzeichen der fortgesetzten Blockade, der Ohnmacht, der Lähmung, was angesichts der politischen und wirtschaftlichen Lage der USA das Schlimmste ist. Alle Probleme, die in den letzten vier Jahren nicht behoben werden konnten, harren weiterhin einer Lösung. Im Wahlkampf waren sie verdrängt worden, jetzt sind sie wieder auf dem Tapet, größer, furchterregender und noch schwerer lösbar als zuvor.

Angesichts dieser weiterhin bestehenden Probleme und mit einer Wiederwahl Obamas, die für die Republikaner nur schwer erträglich ist, werden die USA nicht in der Lage sein, die Herausforderungen, vor denen sie Ende 2012, Anfang 2013 stehen, zu meistern: Im Bereich der Wirtschaft das "fiscal cliff", die Erhöhung der Schuldengrenze, die "Staatsanleihenblase", die Studentenkreditblase. Im Sozialen die Spaltung des Landes zwischen den Weißen, die mehrheitlich für Romney sind, und den Minderheiten, die für Obama sind; das enthält viel Sprengstoff und kann in Unruhen münden, die die Gefahr in sich tragen, in Sezessionsbestrebungen und Bürgerkrieg umzuschlagen, da dafür ausreichend Waffen in dem Land vorhanden sind. Im Politischen eine anhaltende Lähmung Washingtons, die das Risiko eines Militärputsches birgt in einem Land, in dem das einzige, was noch zu funktionieren scheint, die Armee ist, und damit als einziges gesellschaftliches Element in der Lage ist, die Dinge wieder unter Kontrolle zu bringen. Wir werden diese Analyse des Zusammenbruchs der USA in dieser Ausgabe des GEAB weiter entwickeln.


Die getrennten Staaten von Amerika - Bild von JP Trostle, IndyWeek.com (14/11/2012)

Ebenfalls kommen wir auf die Probleme des nördlichen Nachbarns der USA zu sprechen, Kanada, wo die Implosion der Immobilienblase bevorsteht, und analysieren deren Auswirkungen. Obwohl die Lage Kanadas gegenwärtig noch bei Weitem nicht so schlimm ist wie die der USA, stehen damit ganz Nordamerika schwere Zeiten bevor.

Aber wir erinnern daran, dass diese Krise eine weltweite ist und nicht einmal die Schwellenländer verschont, allen voran China. Daher legen wir in dieser Ausgabe dar, vor welchen Herausforderungen China steht, insbesondere soziale Proteste und Unruhen, die in dem Land 2013 ausbrechen werden.

Auch präsentieren wir wie gewöhnlich unsere monatlichen strategischen und praktischen Empfehlungen zu Devisen, den Aktienmärkten usw. und den GlobalEurometer.

Auch wenn wir in dieser Ausgabe wieder einmal das Schwergewicht auf die USA legen, so darf man nicht aus den Augen verlieren, dass die geopolitische Lage explosiv ist, wofür die Gründe ja auch im nachlassenden amerikanischen Einfluss zu suchen sind. Das sieht man insbesondere daran, dass sie sich in den Krisen Libyen, Syrien und Mali ganz bewusst im Hintergrund gehalten haben oder halten. Wegen ihres begrenzten finanziellen Spielraums besteht ihre neue Strategie darin, ihre Interessenwahrung an die Verbündeten zu "delegieren", Frankreich und Großbritannien in Libyen, die Westafrikanische Wirtschaftsunion CEDEAO in Mali (7), Israel in Syrien (8) usw. Dass die führende globale Macht der letzten achtzig Jahre im Mittleren Osten nicht in Erscheinung tritt, macht dort die Lage besonders schwierig: Jeder versucht borniert seine Interessen durchzusetzen und die Lage degeneriert zum Chaos.

Lösungen könnten von Russland und China oder von Europa vorangetrieben werden, aber die Europäer sind immer noch nicht soweit, sich von ihrem alten amerikanischen Verbündeten zu lösen und verurteilen sich damit zur Untätigkeit; die Russen und Chinesen hingegen genießen noch nicht die ideologische Aura der "Achse des Guten", also von Staaten, deren Interessen Hand in Hand gehen mit den wahren universellen Werten. Daher sind gegenwärtig weder Russland noch China in der Lage, die gefallene Führungsmacht USA zu ersetzen. Über eines müssen sich Russen und Chinesen jedoch klar werden: Sie werden erst dann zu globalen Führungsmächten aufsteigen, wenn es ihnen gelingt, diese universellen Werte in ihre Politik zu integrieren. Denn auf diese Fähigkeit gründet sich wahre Macht. Ansonsten bleibt nur Gewalt, aber das wäre für Russland und China wie auch für den Rest der Welt die schlechteste Lösung von allen.

Ein anderes Beispiel für die schwindende Macht Amerikas sind die Sanktionen gegen den Irak, die wirkungslos zu bleiben; das einzige, was damit erreicht wird, ist, den Hass der Iraner auf den Westen zu schüren. Das Bein haben sich die Europäer aber selbst gestellt, statt lieber iranisches Öl mit Euro zu kaufen. Nun ist es so, dass der Iran sein Öl ohne Probleme nach China und in die Türkei verkauft; und die Türkei, obwohl Nato-Mitglied, bezahlt das Öl über Dubai (9) in vollkommen legaler Weise mit Gold. Daran lässt sich ablesen, wie brüchig das westliche Bündnis geworden ist und wie einfach Länder ihre Rohölkäufe auch ohne die Verwendung von Dollar bezahlen können. Für die USA ist das eine Katastrophe, denn die Leitwährungsstellung des Dollars (und damit der amerikanische Einfluss) hängt davon ab, dass der Dollar ausschließliches Zahlungsmittel für Rohöl bleibt. In einer kommenden Ausgabe des GEAB werden wir die Bedeutung von Öl als zentrales Element der gegenwärtigen Geopolitik in all ihren Fassetten herausarbeiten.

Abschließend bleibt noch festzuhalten, dass der Einfluss Amerikas auf Europa auch immer mehr an Bedeutung verliert. Wenn die Lage in Europa auch alles andere als rosig ist, angesichts einer hohen Arbeitslosigkeit und einer zunehmenden Verarmung insbesondere in Griechenland und Spanien, fällt dennoch auf, dass die amerikanischen und britischen Medien nur noch vereinzelt und auch mit weniger Schaum vor dem Mund das Gespenst einer Explosion der Eurozone an die Wand malen; denn ein Auseinanderfallen der Währungsunion kann immer weniger glaubhaft als mögliches Szenario beschrieben werden, und die Probleme der USA wie auch die Englands drängen immer mehr in den Vordergrund. Die Reformen in Euroland, die unter Schmerzen in den letzten vier Jahren umgesetzt wurden, beginnen nun, Früchte zu tragen (10). Die Eurozone emanzipiert sich immer stärker von den Finanzmärkten der Wall street und der Londoner City (11); im Fall der City ist es sogar Großbritannien selbst, dass sich immer stärker ins Abseits manövriert (12). Natürlich wird auch Euroland den Fall Amerikas nicht unbeschadet überstehen, aber genauso sicher ist auch, dass es von dessen Fall nicht mitgerissen werden wird. Viele Herausforderungen harren der Europäer, insbesondere die Tatsache, dass Merkels Einstellung eine Diskussion mit ihren Partnern nicht immer einfach macht. Wir werden im Übrigen in der kommenden 70. Ausgabe des GEAB eine Gesamtschau auf die politische Entwicklung in Deutschland für 2013 und danach anbieten.


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Noten:

(1) Vgl. Handbuch der Politischen Antizipaton, Marie-Hélène Caillol, Editions Anticipolis

(2) Präzise für den Herbst vorhergesagte entscheidende Entwicklung

(3) Vgl. 1. und 52. Ausgabe des GEAB.

(4) Nach dem Märchen von Andersen "Des Kaisers neue Kleider". Quelle: Wikipedia

(5) Quelle: Der Spiegel, 05/11/2012

(6) Zur Lektüre wird beispielsweise empfohlen: Die düstere Zukunft Amerikas, neuer Gegner für Obama (Libération und Süddeutsche Zeitung 07/11/2012), "Die getrennten Staaten von Amerika (La Tribune, 06/11/2012), Rebuilding America (Foreign Policy, 14/11/2012), Waarom Amerika niet langer wereldmacht is (Elsevier.nl ) usw.

(7) Quelle: Le Monde, 11/11/2012

(8) Quelle: The New York Times, 12/11/2012

(9) Quellen: Reuters, 23/10/2012; ZeroHedge, 23/10/2012

(10) Neustes Beispiel, eine strengere EU- Regulierung bestimmter Spekulationsprodukte (Verbot des Kaufs von CDS für Staatsanleihen, die man nicht besitzt, und Kontrolle von Leerverkäufen) blieb beinahe unbeachtet, aber stärkt die Verteidigungsfähigkeit der Euroländer gegen Spekulationsangriffe. Quelle: Le Monde, 01/11/2012.

(11) Par exemple dans le domaine, voir Ou la demande des Allemands d'avoir un droit de regard sur leur or stocké aux États-Unis (source).
Siehe hierzu z.B. Seeking Alpha (18/12/2011). Oder die Forderung des deutschen Rechnungshofs, die in den USA gelagerten deutschen Goldbestände zu überprüfen. Quelle: Der Spiegel, 30/10/2012

(12) Quellen: Financial Times (04/11/2012), Le Monde (31/10/2012), Der Spiegel (02/11/2012), etc.


Samedi 17 Novembre 2012

GEAB N°66 ist angekommen! Alarmstufe Rot / Umfassende weltweite Krise - September/Oktober 2012: Wenn die sieben Trompeten vor Jericho die Welt von Gestern einstürzen lassen

- Pressemitteilung des GEAB vom 20. Juni 2012 (GEAB N°66) -

GEAB N°66 ist angekommen! Alarmstufe Rot / Umfassende weltweite Krise - September/Oktober 2012: Wenn die sieben Trompeten vor Jericho die Welt von Gestern einstürzen lassen

Die Entwicklung der weltweiten Ereignisse spielt sich entsprechend der Vorhersagen, die LEAP/E2020 in den vergangenen Monaten erarbeitet hat, ab. Euroland erwacht seit der Wahl Francois Hollandes an die Spitze Frankreichs (1) endlich aus seiner politischen Lähmung und beendet seine Politik des Durchwurstelns, während die Griechen soeben eindeutig ihren Willen erklärt haben, ihre Probleme als Mitglied Eurolands (2) lösen zu wollen und somit alle "Prognosen" der angelsächsischen Medien und der Euroskeptiker widerlegt haben. Ab sofort kann Euroland (um genauer zu sein - die EU minus Großbritannien) sich fortentwickeln und in den Jahren 2012 bis 2016 ein wahres Projekt politischer Integration, wirtschaftlicher Effizienz und Demokratisierung verfolgen, wie dies LEAP/E2020 in der 62. Ausgabe des GEAB vom Februar 2012 vorhergesagt hatte. Diese ist sicherlich eine gute Nachricht, aber für die nächste Zeit wird diese "Zweite Renaissance" des europäischen Integrationsprojekts (3) weltweit die einzig gute Nachricht bleiben.

Alle anderen großen Linien der weltweiten Situation laufen auf eine Verschlechterung der Lage, ja gar Katastrophen zu. Allmählich fangen die großen Medien an, über eine Situation zu berichten, die wir schon vor langer Zeit für den Sommer 2012 vorhergesehen hatten. In der einen oder anderen Weise, häufiger im Innenteil als auf den Titelblättern (die seit Monaten ausschließlich über Griechenland und den Euro berichten), finden sich in den großen Zeitungen nunmehr die folgenden 13 Themen:

1. Weltweite Rezession (weit und breit springt Wachstumsmotor zu an/Ende des Mythos vom "amerikanischen Aufschwung") (4)
2. Wachsende Zahlungsschwierigkeiten des gesamten Banken - und Finanzsystems der westlichen Staaten; inzwischen wird dieses Problem von zumindest einem Teil der Medien, Politiker und der Öffentlichkeit erkannt
3.Zunehmendes Misstrauen gegen die wichtigsten Bilanzwerte der großen internationalen Banken wie Staatsanleihen, Immobilien und CDS
4. Massiver Rückgang des Welthandels (5)
5. Internationale Spannungen (insbesondere im Mittleren Osten) verschärfen sich bis zum konkreten Risiko eines Regionalkriegs
6. Dauerhafte Pattsituation bei den Vereinten Nationen
7. Rapider Zusammenbruch des gesamten westlichen Systems der kapitalfinanzierten Rente (6)
8. Wachsende politische Spannungen innerhalb der globalen Supermächten (USA, China, Russland), die nach außen immer so "monolitisch" erschienen
9. Keine Aussicht auf erneute "Wunderlösungen" wie 2008/2009, da den großen Zentralbanken des Westen (FED, Bank of England, Bank of Japan) die Kontrolle über ihre Geldpolitik entgleitet und die Staaten überschuldet sind
10. Rasch abnehmendes Vertrauen in all die Staaten, die selbst und ihre Bevölkerung hoch verschuldet sind
11. Unmöglichkeit, den Anstieg der Massen- und Langzeitarbeitslosigkeit zu verhindern oder zu verlangsamen
12. Scheitern der Politik der kreditfinanzierten Konjunkturprogramme wie auch der Austeritätspolitik
13. Quasi durchgehende Ineffizienz der verschiedenen internationalen Organisationen, ob alt oder neu, G20, G8, Rio+20, WHO etc. bezüglich aller wichtigen Themen. Angesichts des Fehlens jeglichen Konsens gelingt es noch nicht einmal mehr, sich auf eine weltweite Tagesordnung zu einigen (7), sei es zu Wirtschaft, Finanzmärkten, Umwelt, Konfliktlösung, Armutsbekämpfung usw.

Anker

Entwicklung der wichtigsten Indizes (Aktienmärkte und Öl) im Mai 2012 - Quelle: MarketWatch, 06/2012

Entwicklung der wichtigsten Indizes (Aktienmärkte und Öl) im Mai 2012 - Quelle: MarketWatch, 06/2012

Nach der Auffassung von LEAP/E2020 und in Übereinstimmung mit seinen schon nicht mehr ganz neuen Vorhersagen wie auch denen, die Franck Biancheri 2010 in seinem Buch « Nach der Krise - Auf dem Weg in die Welt von Morgen » vorgestellt hat, durchläuft die umfassende weltweite Krise im zweiten Halbjahr 2012 einen Krümmungspunkt, der ihren Charakter verändert und daher auch neue Antworten und Maßnahmen erfordert.

Dabei wird ein Phänomen, das aber recht leicht zu verstehen ist, entscheidend sein: Dass Euroland heute in einer Verfassung ist, mit der es der kommenden Zeit mit Optimismus entgegensehen kann (8), ist nur der Tatsache geschuldet, dass es in den letzten Jahren eine Krise von einer Intensität und Tiefe durchschritten hat, wie dies noch nie der Fall war seit Beginn des europäischen Einigungsprojekts nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg (9). Ab Endes dieses Sommers 2012 werden alle anderen großen Mächte weltweit, allen voran die USA (10), einen vergleichbaren Prozess durchmachen müssen. Nur wenn sie bereit sind, diesen Weg einzuschlagen, werden sie in einigen Jahren in der Lage sein, allmählich wieder aus der Talsohle zu neuen Höhen aufzusteigen.

Aber heute, nachdem sie mit allen Mitteln versuchten, den Fristablauf ihrer alten Größe hinauszuschieben, wird ihnen die Rechnung präsentiert. Wie in allen Lebensbereichen ist für den Versuch, das Unvermeidbar zu verhindern, ein hoher Preis zu zahlen, nämlich die Konfrontation der Illusion mit der Realität und die daraus folgende Krise, die weniger hart gewesen wäre, wenn rechtzeitig Anpassungsmaßnahmen an die neue Realität ergriffen worden wären. Für die Welt vor der Krise ist das Spiel nun vorbei. Die sieben Trompeten vor Jericho werden im September/Oktober 2012 ertönen und die letzten Reste der "Dollarmauer", die noch die Nachkriegsordnung zu schützen vermocht hatten, zum Einsturz bringen.

Der Schock des Herbst 2008 wird im Vergleich zu dem, was uns in den nächsten Monaten bevorsteht, wie ein kleines Sommergewitter erscheinen.

Wir haben noch nie seit 2006, als wir mit unseren Arbeiten zur umfassenden weltweiten Krise begannen, ein Zusammentreffen einer solchen Reihe von Faktoren grundlegender Bedeutung von so hoher Sprengkraft innerhalb einer so kurzen Zeitspanne konstatieren müssen. Entsprechend müssen wir nun im Rahmen unseres Bemühens, regelmäßig einen "Krisenwetterbericht" herauszugeben, die höchste Warnstufe ausrufen; denn was dem globalen System im September/Oktober 2012 bevorsteht, rechtfertigt diese Warnung allemal.

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Entwicklung in Prozent des medianen und durchschnittlichen Nettovermögens der amerikanischen Privathaushalte (2001-2010) (dunkelgrün: median / hellgrün: durchschnittlich) - Quellen : US Federal Reserve, 06/2012

Entwicklung in Prozent des medianen und durchschnittlichen Nettovermögens der amerikanischen Privathaushalte (2001-2010) (dunkelgrün: median / hellgrün: durchschnittlich) - Quellen : US Federal Reserve, 06/2012

In dieser 66. Ausgabe des GEAB stellen wir unsere Vorhersagen zu sieben Schlüsselfaktoren des Schocks vom September/Oktober 2012 vor, sozusagen die sieben Trompeten vor Jericho (11), die die Mauern der Welt von Gestern zum Einsturz bringen werden. Vier dieser Faktoren sind geopolitischer Art und im Mittleren Osten angesiedelt, drei sind finanzieller und wirtschaftlicher Art.

1. Iran/Israel/USA: Der eine Krieg zu viel wird sehr wohl ausbrechen
2. Die syrische Bombe: Das israelisch-amerikanisch- iranische Streichholz am Syrisch-Irakischen Pulverfass
3. Der arabische Herbst: Die Golfstaaten werden von den Herbststürmen weggefegt.
4. Das AfPak- Chaos: Die US- Armee und die Nato als Gefangene eines Krieges, aus dem der Rückzug immer schwieriger wird
5. USA: "Taxmargeddon" setzt mit dem Sommer 2012 ein - Die US- Wirtschaft ab Herbst im freien Fall
6. Die Mutter aller Bankeninsolvenzen macht im September/Oktober 2012 in London und New York ihre Aufwartung: Auch die City und Wall Street erleben ihren "Bankia- Moment"
7. Die unerträgliche Leichtigkeit des QE des Sommers 2012 - Die amerikanische, britische und japanische Zentralbank zur Ohnmacht verdammt

Weiterhin legen wir konkrete Empfehlungen vor, die helfen sollen, die Auswirkungen des bevorstehenden Schocks wirtschaftlich zu minimieren, unabhängig davon, ob man Privatmann ist oder Chef eines Unternehmens. Auch präsentieren wir diesen Monat wieder den Global Europa Dollar- Index.

Zuletzt gibt LEAP/E2020 bekannt, dass es im kommenden Herbst erneut seine Fortbildung in der Politischen Antizipation anbietet; diese wird zukünftig online durchgeführt werden, um die weltweite Nachfrage befriedigen zu können. Im Bereich der Politischen Antizipation ist der GEAB der "Fisch", mit dem ein punktuelles Interesse an Vorhersagen befriedigt werden kann, während die Fortbildung die "Angelrute" ist, mit der immer mehr Menschen in die Lage versetzt werden sollen, selber ihrer Vorhersagen aus den trüben Wassern der Zukunft zu fischen. Denn wenn man die Hoffnung hegt, dass das Ende der Welt von Gestern in eine bessere Welt von Morgen mündet, dann ist dies nur berechtigt, wenn möglichst viele Menschen lernen, ihre eigenen Vorhersagemöglichkeiten zu verbessern. Denn dieser Mangel an Antizipation ist ursächlich dafür, dass falsche Wege eingeschlagen wurden, die uns in die Krise geführt haben.
Die Fortbildung wird durchgeführt von der gemeinnützigen Stiftung nach spanischem Recht FEFAP (Fondacion por l'Educacion e la Formacion a l'Anticipation Politica), die vor Kurzem dank einer Spende von Franck Biancheri aus der Taufe gehoben werden konnte (12).

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Noten:

(1) Nunmehr beschäftigen sich die Debatten, die um so besser für Europa sind, wenn sie offen und mit großer Bandbreite geführt werden, mit der mittelfristigen Perspektive für Europa, der Frage der politischen Integration und den notwendigen neuen Institutionen. Bis zum Ende des Sommers wird sich Euroland als neue entscheidende europäische Dimension durchgesetzt haben; damit wird es möglich werden, die Debatten aus dem Rahmen der Institutionen für 27 Mitgliedstaaten zu befreien, die heute in einem so schlechten Zustand und in denen britische Interessen allgegenwärtig sind, dass es, jedenfalls zur Zeit, unmöglich ist, ihnen die wichtige Aufgabe zu überantworten, eine Governance für Euroland zu errichten. Die Schwierigkeiten zwischen Hollande und Merkel sind das Ergebnis dieser Lage und nicht so sehr eine Frage der unterschiedlichen Ansätze für die zukünftige Europapolitik von "Gemeinschaftsinstitutionen" oder "Intergouvernementalität". Auch die Brüsseler Institutionen sind Teil der Welt vor der Krise und nicht in der Lage, die Welt nach der Krise aus der Taufe zu heben. Quellen : Deutsche Welle, 11/06/2012 ; Spiegel, 06/05/2012 ; ElPais, 10/06/2012 ; LaTribune, 10/06/2012

(2) Die Euroland- Mitgliedschaft wird es den Griechen erleichtern, ihr Land nach 30 vergeudeten Jahren EU- Mitgliedschaft, in denen jegliche Chance zur Modernisierung der Grundlagen des Staates vergeben wurde, an die Erfordernisse der neuen Zeit anzupassen. Quelle : YahooNews, 18/06/2012

(3) MarketWatch vom 14/06/2012 geht sogar soweit, der Schweiz vorherzusagen, dass auch sie in absehbarer Zeit Mitglied Eurolands werden muss - wie LEAP schon seit einiger Zeit argumentiert.

(4) Quellen : Bloomberg, 15/06/2012 ; Albawaba, 12/06/2012 ; ChinaDaily, 05/06/2012 ; CNNMoney, 11/05/2012 ; Telegraph, 04/06/2012 ; MarketWatch, 05/04/2012

(5) Quelle : IrishTimes, 12/04/2012 ; CNBC, 08/06/2012

(6) Quellen : WashingtonPost, 11/06/2012 ; Telegraph, 11/06/2012 ; TheAustralian, 15/06/2012 ; Spiegel, 06/05/2012 ; ChinaDaily, 15/06/2012

(7) In nur zwei Jahren ist der globale Konsens über die wichtigen Zukunftsthemen weitgehend zerfallen.

(8) Wir gehen davon aus, dass nun das Thema einer gemeinsamen europäischen Verteidigungspolitik in das Zentrum der Debatte über die politische Integration rücken wird. Wie auch der Euro das Ergebnis eines komplexen Kompromisses war, bei dem die Franzosen bereit waren, die deutsche Einigung zu unterstützen, wenn Deutschland dafür die Deutsche Mark in die europäische Gemeinschaftswährung einbrachte, wird der neue Integrationsschritt beinhalten, dass Deutschland bereit ist, für europäische Schulden zu bürgen, wenn Frankreich im Gegenzug bereit ist, seine atomare Abschreckung mit seinen europäischen Partnern (zumindest denen von Euroland) zu teilen. Die neue französische Regierung wird dann drei Dinge entdecken: Dass Verteidigungs- und Sicherheitsfragen für ihre Eurolandpartner entgegen dem bisherigen Anschein von höchster Priorität sind (weil insbesondere das Vertrauen in die Schutzgarantie der Amerikaner bröckelt), dass es keinen Grund dafür gibt, dass der neue Integrationsschritt nur in Deutschland zu einer komplexen und schwierigen Debatte führt (auch Frankreich muss sich dieser Debatte stellen) und dass drittens die öffentlichen Meinungen solchen konkreten Maßnahmen gegenüber viel aufgeschlossener sind als gegenüber unverständlichen juristischen Verträgen, wie dies 2005 der Fall war. In Verteidigungsfragen wurden bereits die Weichen neu gestellt: Frankreich setzt sich still und leise von seiner privilegierten Partnerschaft mit Großbritannien ab, um sich erneut auf eine Zusammenarbeit mit Deutschland und den Ländern des Kontinents zu konzentrieren. Die Tatsache, dass Großbritannien bei der europäischen Verteidigung immer viel verspricht und nichts hält (letztes Beispiel: Der Bau gemeinsamer Flugzeugträger droht zu scheitern, weil Großbritannien beschlossen hat, seinen Flugzeugträger doch nicht so umzubauen, dass auf ihm auch französische Flugzeuge landen können), wurde schließlich als das analysiert, was es ist, nämlich ein dauerhafter Versuch, die Entwicklung einer gemeinsamen europäischen Verteidigung zu verhindern. Und die drastischen Einschnitte in das britische Verteidigungsbudget verringern die Attraktivität Großbritanniens als verteidigungspolitischen Partner deutlich. Quellen : Monde Diplomatique, 15/05/2012 ; Telegraph, 06/06/2012 ; Le Point, 14/06/2012

(9) Ein Schock, der überhaupt nur so schwer wirken konnte, weil die Europäer in dieser Zeit sich als unfähig erwiesen haben, sich gegen die Medienkampagne der Londoner City und Wall Street zu wehren, die zum einen die Aufmerksamkeit von ihren eigenen Schwierigkeiten ablenken wollten und um zum anderen alles daran setzten, dieses Euroland, das im Entstehen war und die für sie so günstige Nachkriegsordnung in Bedrängnis brachte, zum Scheitern zu bringen.

(10) Der Wohlstand der Amerikaner ist laut einer kürzlich erfolgten Studie der US- Zentralbank zwischen 2007 und 2010 um 40% gesunken. Wir erlauben uns daran zu erinnern, dass wir schon 2006 in den ersten Ausgaben des GEAB schrieben, dass in der Krise die amerikanischen Haushalte bis zu 50% ihres Vermögens einbüßen würden; damals wurde diese Vorhersage von den meisten "Experten" als "abwegig" abqualifiziert. Die Studie reicht aber nur bis 2010. Nach unserer Auffassung steht den US- Haushalten noch eine weitere Wohlstandseinbuße von mindestens 20% ins Haus. Mit dieser kleinen Erinnerung wollen wir unterstreichen, dass eine der größten Schwierigkeiten der Politischen Antizipation in dem immensen Beharrungsvermögen der öffentlichen Meinungen und dem Mangel an Phantasie der Experten begründet ist. Das eine bedingt das andere und alle glauben, dass auch in Zukunft alles so bleiben werde wie bisher. Quellen: WashingtonPost, 11/06/2012 ; US Federal Reserve, 06/2012

(11) Mehr zu der Legende von den Trompeten vor Jericho : Wikipedia

(12) Er dürfte einer der wenigen gewesen sein, die in den letzten Wochen Geld in das spanische Bankensystem eingebracht haben. Das ist doch ein schöner Beweis, dass Analyse und Handeln übereinstimmen.

Mercredi 20 Juin 2012

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